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Mankell: »Wir werden mit hunderten Schiffen wiederkommen!«

Palästina
Mittwoch, den 02. Juni 2010 um 15:42 Uhr
Karikatur aus LateinamerikaDer bekannte schwedische Krimiautor Henning Mankell, der an Bord der am Montag von israelischem Militär gestürmten Gaza-Hilfsflotte gewesen war, hat sich nach der Rückkehr in Schweden empört über die Piratenaktion Israels gezeigt. Zugleich begrüßte er die weltweite Unterstützung für die humanitäre Kampagne. »Israel ist vollkommen isoliert«, sagte er gegenüber Radio Schweden. »Die Menschen sind der brutalen Gewalt, die diese Macht auf dem Gewissen hat, so müde.« Zugleich zeige die israelische Aktion die Hilflosigkeit der dortigen Regierung: »Was wird im kommenden Jahr passieren, wenn wir mit hunderten Booten zurückkehren? Werden sie dann eine Atombombe zünden?«

Unterdessen hat die »Jerusalem Post« Gerüchte geschürt, wonach die türkische Kriegsmarine den nächsten Konvoi nach Gaza begleiten werde. Die Möglichkeit, dass Ankara die Marine gegen Israel entsenden werde, sei wegen der NATO-Mitgliedschaft der Türkei zwar gering, zitiert die wichtigste englischsprachige Tageszeitung Israels einen nicht namentlich genannten Offizier der türkischen Streitkräfte, »aber das ist durchaus eine Möglichkeit, auf die wir uns vorbereiten müssen«. Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte zuvor Israel gewarnt, es soll Ankaras Geduld nicht auf die Probe stellen. »Israel kann diesen Mord nicht rechtfertigen, es kann seine Hand nicht von dem vergossenen Blut reinwaschen«, so Erdogan.

In einem englischsprachigen Kommentar kritisiert die Zeitung der Kommunistischen Partei der Türkei (TKP), SoL, jedoch die widersprüchliche Haltung der türkischen Regierung. Erdogan habe zwar harte Reden gegen Israel gehalten, aber keine praktischen Schritte unternommen. Die Zeitung fragt, warum das Flaggschiff der Freiheits-Flottille, die »Mavi Marmara«, vor dem Auslaufen mit Kurs auf Gaza ausgeflaggt wurde und statt unter türkischer nun unter der Flagge der Kormoren gelaufen sei. Offenbar habe die aus der rechtsextrem-islamistischen Milli Görus-Bewegung hervorgegangene Hilfsorganisation IHH, die das Schiff gekauft hatte, verhindern wollen, dass bei einem Angriff Israels auf ein türkisches Schiff der NATO-Bündnisfall in Kraft trete, der festlegt, dass alle NATO-Staaten gemeinsam einen bewaffneten Angriff auf einen Mitgliedsstaat beantworten werden. Die islamistische Regierungspartei AKP habe die Freiheits-Flottille als Experiment missbraucht. Deshalb habe die Partei auch ihren Parlamentsabgeordneten untersagt, sich selbst an Bord der Schiffe zu begeben. »Die AKP hat die Schiffe mit allen Aktivisten an Bord auf die gefährliche Reise geschickt, ohne die notwendigen Vorsichtmaßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, wenn man die Reaktion Israels testen will«, so die Zeitung.

Unterdessen hat der Präsident der deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung »pax christi«, Bischof Heinz Josef Algermissen aus Fulda, die Vorwürfe der israelischen Regierung gegen die Teilnehmer der Flottille zurückgewiesen. »Die Aktion „Free Gaza“ war eine gewaltfreie Aktion, die die öffentliche Kritik an der völkerrechtswidrigen Blockade des Gazastreifens durch Israel verstärken und humanitäre Hilfe für die Zivilbevölkerung des Gazastreifens leisten wollte. Sie geht zurück auf die unmittelbare Zeit nach Beendigung des Gazakrieges im Januar 2009. Zur Unterstützung der Zivilbevölkerung sollte ein Schiff mit Hilfsgütern nach Gaza entsandt werden. pax christi hat sich gemeinsam mit anderen Organisationen wie IPPNW, Jüdische Stimme, Palästinensische Gemeinde, Deutsch-Palästinensische Gesellschaft für diese Aktion eingesetzt. Vor wenigen Tagen, am 21. Mai 2010, konnten schließlich vier Schiffe eines internationalen Bündnisses von Zypern aus nach Gaza mit einer Fracht von 5000 Tonnen aus insgesamt 20 Ländern ablegen. 5 Tonnen der Fracht, bestehend aus Medikamenten, Verbandstoffen und Medizinischen Geräten, stammten aus Deutschland.« Der Bischof erinnert daran, dass vor einem Jahr auch Papst Benedikt XVI bei seinem Besuch in Israel und in den palästinensischen Gebieten die Aufhebung der Blockade von Gaza gefordert hatte. »Die internationale Gemeinschaft, die EU und die deutsche Bundesregierung sollten aufgerufen werden, sich in ähnlicher Weise für das Ende der kollektiven Bestrafung der Menschen im Gazastreifen einzusetzen.«

Bei vermutlich 19 Toten und über 30 Verletzten auf Seiten der Schiffsbesatzung sei die Verhältnismäßigkeit in der Wahl der Mittel durch Israel nicht gewahrt worden, so der Kirchenmann. »Wenn sich Israel veranlasst sah, die Schiffe zu stoppen, warum stellte sich die Marine ihnen dann nicht einfach in den Weg, statt sie zu entern? Und warum schlug Israel in internationalen Gewässern zu, lange bevor die Flotte israelisches Hoheitsgebiet erreichte?«

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