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»Das Allerwichtigste ist, die Gefangenen rauszuholen«

Gespräch mit Marilyn Buck und Laura Whitehorn.
Grausam, aber nicht ungewöhnlich: Die Haftbedingungen von Frauen im US-Strafvollzug
Interview: Susie Day, junge Welt 23.10.2010
Die heute 65jährige Laura Whitehorn war vierzehn Jahre in US-Gefängnissen eingesperrt, bevor sie 1999 entlassen wurde. Die Justiz hatte ihr die Beteiligung an einer Reihe von Bombenanschlägen der 1970/80er Jahre angelastet, die aus Protest gegen die gewalttätige US-Außenpolitik gegen öffentliche Gebäude gerichtet waren. Marilyn Buck, Lauras Genossin und Mitangeklagte, wurde darüber hinaus für ihre angebliche Beteiligung an der 1979 erfolgten Gefangenenbefreiung von Assata Shakur, einem führenden Mitglied der Black Panther Party und der Black Liberation Army, verurteilt. Zum Zeitpunkt des Interviews im Sommer 2010 hatte sie 25 Jahre einer 80jährigen Gesamtstrafe verbüßt und befand sich noch im kalifornischen Bundesgefängnis Dublin. Als sie am 3. August 2010 im Alter von 62 Jahren an einer im Gefängnis nicht angemessen behandelten Krebserkrankung starb, war sie gerade neunzehn Tage zuvor aus der Haft entlassen worden.

Mumia Abu-Jamal hat in seiner jW-Kolumne vom 14. August 2010 in einem Nachruf auf Buck ihre besondere Rolle als weiße Antiimperialistin hervorgehoben.

Das für junge Welt gekürzte Gespräch wurde in voller Länge zuerst in der Juli-August-Ausgabe der sozialistischen US-Zeitschrift Monthly Review veröffentlicht, für die Marilyn Buck als freie Autorin arbeitete.

Sie wurden beide 1985 verhaftet. Wie haben sich seitdem die Verhältnisse im US-Gefängnissystem verändert?

Marilyn Buck: Sie sind viel repressiver geworden, besonders seit Ronald Reagans Präsidentschaft [1981-89]. Es wurde in jedem Jahr schlimmer. Sicher hat auch das von [Ex-US-Präsident William] Clinton durchgesetzte Antiterrorismus-Gesetz eine Rolle gespielt, weil es die Rechte für alle weiter eingeschränkt hat. Verändert hat sich auch, wer im Gefängnis sitzt. Es gibt heute einen noch höheren Prozentsatz von Schwarzen und Latinos und – zumindest in den Bundesgefängnissen – eine enorm hohe Zahl von Immigranten. Nicht nur Immigranten, sondern überhaupt Ausländer, die wegen irgendwelcher Vorfälle bei Grenzübertritten in Haft sind. Viele werden ohne Gerichtsentscheidungen für Jahre eingesperrt.

Laura Whitehorn: Wenn wir uns heute die über zwei Millionen Menschen im Bundes- und Staatsgefängnissystem genauer anschauen, dann ist der Anteil von Frauen stark angestiegen. Für Gefangene wie Marilyn bedeutet das eine gewaltige Überbelegung der Gefängnisse. Du lebst den Rest deines Leben in einer kleinen Zelle, die eigentlich für eine Person vorgesehen war, jetzt aber drei beherbergt. Das heißt, du hast keine persönliche Habe mehr, weil dafür kein Platz ist. Nach und nach nehmen sie dir deine Privatkleidung weg und erlassen immer strengere Regeln. Du hast keinen Tisch mehr. Marilyn Buck, die wie viele andere Gefangene auch dafür gekämpft hat, eine Ausbildung machen zu können, sitzt auf ihrer Pritsche und schreibt auf ihrem Schoß. Die Überbelegung hat zur Folge, daß die Gefangenen nur noch als lästiges Problem gesehen und wie Gepäckstücke gestapelt werden.

In den Bundesgefängnissen für Frauen stellen Männer die Mehrheit des Wachpersonals. Sie sind in deiner Vollzugsgruppe. Sie schauen durch das Fenster in deiner Zellentür, wenn du auf dem Klo sitzt oder dich umziehst. Du verlierst total die Fähigkeit, dich als Person dagegen zu schützen. Für mich waren dabei die Leibesvisitationen das Härteste. In den Bundesgefängnissen dürfen männliche Wärter ganz legal Leibesvisitationen an gefangenen Frauen vornehmen. Die stehen hinter dir und begrapschen deinen ganzen Körper. Wobei es nicht wirklich um das Finden von verbotenen Waren geht, sondern dich darauf zu reduzierten, völlig machtlos zu sein. Hätte ich dabei die Hände eines Wärters abgewehrt, wäre ich wegen Widerstands gegen einen Vollzugsbeamten in den Bunker geworfen worden. Das ist mir einmal passiert. Du wirst auf einen Objektstatus reduziert, nicht wert, geschützt zu werden. Die Botschaft ist klar: »Dein Körper ist bedeutungslos, warum willst du denn nicht, daß dieser Mann dich überall anfassen darf?« Das wirkt zutiefst zerstörerisch.

Wie würden Sie eine typische weibliche Gefangene beschreiben?
Marilyn Buck: Sie ist typischerweise eine farbige Frau. Wenn sie zum ersten Mal ins Gefängnis kommt, ist sie um die 23 oder 24 Jahre alt. Das durchschnittliche Alterw der Frauen hier dürfte bei 35 oder 36 Jahren liegen, was heute höher ist als früher, weil die Frauen allgemein längere Strafen absitzen. Hier [im kalifornischen Bundesgefängnis Dublin] sind gegenwärtig über 50 Prozent der Frauen Lateinamerikanerinnen, ein hoher Prozentsatz von ihnen Mexikanerinnen. Viele dieser Frauen kommen aus Beziehungen, in denen sie von Eltern oder Ehemännern mißbraucht wurden. Die Statistiken gehen von bis zu 80 Prozent aus.

Geht es Frauen nach dem Gefängnis »besser«?
Marilyn Buck: Manchmal. Du hast die Möglichkeit, die Tatsache zu akzeptieren, daß du mißbraucht wurdest. Im Grunde passieren zwei Sachen. Einerseits hast du hier drin die Chance dazu, weil du nicht mehr herumläufst und die Dinge tust, die du als Mutter, Ehefrau, Partnerin oder in deinem Job tun mußtest. Wenn diese Alltagsaktivitäten wegfallen, dann hast du die Chance, ein Gefühl zu entwickeln, was es heißt, unabhängig zu sein. Andererseits befinden wir uns hier in einer Situation, in der wir total kontrolliert werden. Das fördert das Entstehen einer neuen Mißbrauchsbeziehung. Das kann deine Vorstellungskraft einschränken und dich dazu bringen, dichtzumachen. Das heißt, viele Frauen hier werden zwar kreativ und betätigen sich künstlerisch oder handwerklich, aber das bedeutet nicht notwendigerweise, daß sie sich auch alle ihre Potentiale als menschliche Wesen erschließen.

Ich möchte auch das Thema medizinische Versorgung im Knast anreißen. Auch die Frauen hier im Knast werden älter, sie kommen in die Wechseljahre. Viele haben gynäkologische Probleme. Ich wurde im Gefängnis operiert. Und dann läuft das so: Deine Wunde blutet, du hattest ja erst vor wenigen Stunden eine Operation. Du wirst körperlich durchsucht, Handschellen und Fußfesseln werden dir angelegt, und dann sollst du aufstehen und zum Gefangenentransporter gehen. Wenn du Glück hast, haben sie einen Rollstuhl und fahren dich damit zurück in deine Abteilung.

Welche inneren Ressourcen haben Sie entwickelt, um mit jahrelanger Gefängnishaft fertigzuwerden?

Marilyn Buck: Ich habe angefangen zu schreiben. Ich schreibe Gedichte. Im Laufe der Jahre habe ich mich von einer phrasenhaften, distanzierten Schriftstellerin zu einer entwickelt, die mehr über sich und ihre Gefühle herauslassen kann. Letztendlich denke ich, wenn es uns um menschliche Befreiung geht, müssen wir in der Lage sein, ehrlich gegenüber uns selbst und anderen zu sein, wenn es um unsere Sehnsüchte oder Widersprüche geht, oder, wie wir heute sagen, unsere »Fragestellungen«. Für mich ist diese Entwicklung wie eine kleine Flamme, die vor meinem geistigen Auge lodert.

Laura Whitehorn: Für mich war es am schwersten, mir über all die Jahre meine Fähigkeit zu erhalten, mich zu empören. Nach einiger Zeit tut dir dein Herz permanent derart weh, daß du anfängst, dich davor zu schützen. Für mich wurde beispielsweise das Ende der Besuchszeit unerträglich, wenn ich mit ansehen mußte, wie Kinder von ihren Müttern weggeführt werden. Die verstehen das gar nicht, und vor allem die kleineren schreien oder weinen dann nur noch. Ich kam an den Punkt, daß ich versuchte, meine eigenen Besuche rechtzeitig vor dem allgemeinen Aufbruch im Besuchsraum zu beenden, weil ich das einfach nicht mehr aushalten konnte.

Durch dieses Verhalten habe ich allerdings den Respekt vor mir selbst verloren. Weil ich nämlich dachte, die Mütter müssen das aushalten, mit welchem Recht will ich das von mir fernhalten? Durch diese Erfahrung habe ich eine Idee davon bekommen, warum die Leute draußen nichts über Gefängnisse wissen wollen – weil es ihnen einfach zu hart ist.

Wenn Leute sagen: »Mein Gott, wie hast du nur den Knast überlebt?«, dann erwiderte ich, es habe wohl daran gelegen, daß ich mich gegenüber dem Leben der Frauen um mich herum geöffnet habe und sie sich mir gegenüber. Ich war mit Frauen zusammen im Knast, die sind zwischen ihrem siebten und elften Lebensjahr mehrfach von ihrem Stiefvater vergewaltigt worden, und dann mußten sie im Knast täglich Leibesvisitationen über sich ergehen lassen. Oder ihre Zellen wurden gefilzt, und mehrere Männer befummelten ihre Unterwäsche. Und dann konnte es vorkommen, daß eine Frau zu Hause anrief und erfuhr, daß ihr Stiefvater wieder aufgetaucht war und jetzt ihre 13jährige Tochter mißbrauchte. Diese Frauen mußten sich also mit höchst aggressiven Formen von Mißbrauch auseinandersetzen, und dennoch waren sie in der Lage, das durchzustehen und zu überleben.

Wie reagieren die anderen gefangenen Frauen auf Sie als politische Personen?
Marilyn Buck: Die meisten Leute wissen nichts speziell über meine Politik. Je älter und müder ich werde und je mehr es mich niederdrückte, im Gefängnis zu sein, desto weniger hab ich mich unter die anderen Gefangenen gemischt. Ich geh auch nicht mehr so oft in die Knastkantine. Ich bin einfach zu müde dazu. Deshalb kennen mich nach und nach immer weniger Leute. Aber ein paar der Frauen begreifen meine Politik. Eine 22jährige Mitgefangene ist gerade entlassen worden. Eine junge schwarze Frau, wir haben manchmal miteinander geredet, und ich habe sie in einigen Situationen unterstützt oder kritisch begleitet. Als sie ging, sagte sie: »Danke. Du hast mir sehr geholfen.« Wenn deine Politik abstrakt bleibt, hat das keinerlei Bedeutung. Es kommt darauf an, wie du sie in die Praxis umsetzt. Ich frage mich selbst als weiße Frau, wie gehst du mit den Leuten um? Wie nehmen dich die Leute als menschliches Wesen war? Blieben dir andere Menschen in punkto Rassismus abstrakt? Oder behandelst du diese Menschen wirklich als Gleiche unter Gleichen- trotz deiner eigenen Privilegien? Denn natürlich bestehen die auch im Gefängnis fort.

Die Knastverwaltung behandelt mich manchmal anders. Ich weiß, daß meine Post geöffnet wird, was nicht auf alle hier zutrifft. Dann krieg’ ich leere Umschläge ohne jeden Inhalt. Und wenn man was dagegen sagt, dann heißt es: »Oh, das muß auf dem Postweg passiert sein!«

Laura Whitehorn: Marilyn hat recht, daß uns die Leute als politische Gefangene dadurch kennengelernt haben, wie wir im Alltag mit Menschen oder Situationen umgegangen sind. Ich habe gespürt, etwas bewirkt zu haben, als ich dazwischen gegangen bin, wenn es ein Schließer auf eine bestimmte Gefangene abgesehen hatte, oder als ich einer anderen geholfen habe, ihre Vergünstigungen zurückzuerhalten, die ihr ungerechterweise entzogen worden waren. Das hat mehr bewirkt, als wenn ich ihnen einen Vortrag über ein geschichtliches Ereignis gehalten hätte.

Ich finde aber, daß Marilyn zu bescheiden ist. Als wir zusammen im Gefängnis waren, war allen anderen Frauen klar, daß sie für den Kampf um Gerechtigkeit, Menschenrechte und Befreiung stand. Die Frauen haben sie immer um Hilfe gebeten, nicht nur wenn es um Ereignisse ging, über die in den Nachrichten berichtet wurde, oder allgemein das Weltgeschehen, sondern auch bei Vorfällen von Rassismus und Feindseligkeiten zwischen verschiedenen Nationalitäten unter den Gefangenen.

Als ich im Gefängnis war, hat sich vor allem geändert, daß es mehr und mehr Frauen unter den politischen Gefangenen gab. Das war auch ein Schock für das gesamte Gefängnissystem, weil sie uns fürchteten. Deshalb bauten sie in Alderson, Virginia, mit dem High Security Unit (HSU) einen speziellen Isolationstrakt, den sie an Lucy Rodriguez und Haydee Beltran [zwei Gefangenen aus der puertoricanischen Unabhängigkeitsbewegung] testeten. Dann sperrten sie [die Puertoricanerin] Alejandrina Torres, [und die beiden Antiimperialistinnen] Silvia Baraldini und Susan Rosenberg in einen unterirdischen Isolationstrakt des Bundesgefängnisses Lexington. Die drei Frauen sollten dort den Rest ihrer Haftstrafen von 58, 43 und 35 Jahren verbringen. Aber genau das war der Fehler, denn die Proteste dagegen erzeugten internationale Aufmerksamkeit. Zum ersten Mal protestierte auch Amnesty International gegen Haftbedingungen in den USA. Der Trakt wurde nach zwei Jahren wieder geschlossen. Grund unserer Abschottung in diesen Trakten war die Befürchtung, wir könnten die gesamte Knastpopulation zur Revolution aufstacheln.

Was sagen Sie zu der Behauptung, politischen Gefangenen würden mehr Aufmerksamkeit und Solidarität entgegengebracht als sozialen Gefangenen?

Marilyn Buck: Es ist ein Irrtum, daß politische Gefangene immer viel Unterstützung hätten. Es gibt Gefangene, die schon Jahre hinter Gittern verbracht hatten, bevor sie überhaupt unterstützt wurden. Vorher standen ihnen nur ein paar Leute zur Seite, die sie von draußen durch ihre Arbeit kannten. Ein Beispiel ist Nelson Mandela. Sehr viele Leute arbeiteten dann für seine Befreiung. Wer aber setzte sich für die anderen Gefangenen [aus dem Afrikanischen Nationalkongreß (ANC)] ein? Ich würde sagen, daß 99 von 100 politischen Gefangenen ihren Kampf nicht führen, um berühmt zu werden. Politische Gefangene werden in der Regel auch nicht auf Bewährung entlassen. In den USA sitzen vor allem die männlichen politischen Gefangenen Jahr für Jahr in der Isolation. Es gibt einige Rechte, die Gefangenen normalerweise gewährt werden, uns aber nicht.

Laura Whitehorn: Wenn man sich einen Begriff davon verschaffen will, was Gefängnisse sind, dann muß man auch begreifen, wieso es politische und soziale Gefangene gibt. Sie stehen für zwei Seiten desselben Unterdrückungsprogramms. Die eine steht dafür, daß man der Allgemeinheit klarmacht, das Gesetz sei allmächtig und jeder, der es übertritt, würde seine Freiheit für viele, viele Jahre verlieren. Die andere bedeutet, jeden mit sehr hohen Strafen zu belegen, der es wagt zu sagen: »Hier herrscht eine so ungeheuerliche Ungerechtigkeit, daß wir uns gegen die Regierung erheben müssen.« Und dann sperrt man diese Leute für sehr lange Zeit ein, um zu verhindern, daß eine neue Generation von Anführern und Aktivisten heranwächst. Wenn man eine der beiden Seiten außer acht läßt, wird man nie begreifen, wie das Gefängnissystem funktioniert. Man denkt dann vielleicht, es ginge nur darum, Profite aus den Gefangenen zu schlagen, aber das ist lächerlich.

Daß jetzt in Ansätzen eine Massenbewegung gegen den gefängnisindustriellen Komplex entsteht, hat seinen Anfang mit den politischen Gefangenen genommen. Es gibt absolut keine Trennung zwischen der Unterstützung für politische Gefangene und dem Kampf für die Abschaffung dieses Gefängnissystems. Angela Davis hat diese Entwicklung sehr befördert. Und wer ist sie? Eine ehemalige politische Gefangene. Jene Leute, die eine Menge junger Aktivisten in dieser Bewegung organisiert haben, sind allesamt politische Gefangene oder ehemalige politische Gefangene. Und alle politischen Gefangenen haben draußen organisierte Knastarbeit gemacht, bevor sie selbst eingefahren sind.
Politische Gefangene brauchen auch oft eine besondere Unterstützung. Marilyn Buck wurde zu 80 Jahren Knast verurteilt, obwohl sie nie angeklagt war, auch nur einen Menschen verletzt zu haben. Oder nehmen wir Teddy Jah Heath, der vor kurzem im Gefängnis gestorben ist. Er wurde wegen Entführung verurteilt, weil sie einen mächtigen Drogendealer in ein Auto gezerrt und mit ihm ein paar Runden gedreht und ein ernstes Wort geredet haben. Dann ließen sie ihn wieder frei. Unverletzt, ihm war kein Haar gekrümmt worden. Dafür saß Teddy Jah Heath 27 Jahre im Knast. Nach 25 Jahren beantragte er vergeblich seine Entlassung auf Bewährung. Zwei Jahre später starb er in der Haft an Darmkrebs. Warum diese Härte gegen ihn? Weil sein Delikt ein politisches war. Es stand im Einklang mit der politischen Linie der Black Liberation Army, die aus der Black Panther Party entstanden ist, und mit der Aktion sollte dem Drogenhandel in den schwarzen Gemeinden ein Riegel vorgeschoben werden.

Marilyn, was brauchen Sie von den Leuten draußen?

Marilyn Buck: Was wir alle brauchen: als Frauen, als Lesbierinnen und Heterosexuelle alles zu geben, um unsere Befreiung als Menschen zu erreichen. Dafür einzutreten, daß jeder Mensch ein Recht auf seine eigene Nation, seine Befreiung und seine Gerechtigkeit hat.

Laura, was war für Sie wichtig, seit Sie aus dem Gefängnis entlassen wurd
en?
Laura Whitehorn: Nichts von dieser Erfahrung jemals zu vergessen. Sonst würde mein Herz sich in Stein verwandeln. Denn es würde bedeuten, die Menschen zu vergessen, denen ich so viel zu verdanken habe. Als ich entlassen wurde, war es für mich sehr hart, daß ich so viele Menschen zurücklassen mußte. Deshalb setze ich mich weiter für die Gefangenen ein und kämpfe für ihre Freiheit. Deshalb sage ich auch, daß es für Leute draußen ungeheuer wichtig ist zu begreifen, was Gefängnisse sind, wer in ihnen sitzt, und die Gefangenen zu besuchen. Um eine Form der Menschlichkeit in die Gefängnisse zu bringen. Das Allerwichtigste ist aber, die Gefangenen rauszuholen – zurück in unsere Gemeinschaft.

Übersetzung: Jürgen Heiser

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