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Alle für Kalle – Zwangsräumung in Köln verhindert!

 

Am 20.2.2014 konnte durch den entschlossenen Widerstand mehrerer hundert Menschen erfolgreich die Zwangsräumung der Wohnung von Karl-Heinz „Kalle“ Gerigk verhindert werden. Nach einem Eigentümerwechsel hatte der neue Eigentümer der Wohnung, Marco Hauschild, unter dem Vorwand eines Eigenbedarfs den Mietvertrag gekündigt und kurz darauf die Wohnung saniert im Internet zum Verkauf angeboten.

In den zwei darauffolgenden Gerichtsverfahren sah das Gericht die Kündigung als rechtmäßig an und so brachte Kalle seinen Fall bei einer öffentlichen Veranstaltung zu Stadtentwicklung vor, worauf zahlreiche Organisationen seinen Fall publik machen und sich die Kampagne „Alle für Kalle“ des Bündnisses „Recht auf Stadt“ formte. Nachdem bis zum letzten Moment versucht wurde die Zwangsräumung abzuwenden, bestand nun die Gewissheit, dass die Räumung am heutigen Tag vollstreckt werden sollte. Trotz der frühzeitigen Polizeipräsenz rund um die Fontanestraße blockierten bereits ab 6 Uhr Morgens dutzende Menschen den Zugang zum Haus Nr. 5 um ein gewaltsames Eindringen des Gerichtsvollziehers zu verhindern. Die Enden der Straße wurden mit symbolischen Barrikaden aus Umzugskartons „blockiert“ und viele Anwohner solidarisierten sich schon im Vorfeld durch Transparente an ihren Fenstern mit Kalle.

Um sieben Uhr morgens waren bereits ca. 300 Menschen vor Ort um den Gerichtsvollzieher am gewaltsamen Zutritt zu Kalles Wohnung zu hindern, ca. 60 davon blockierten die Treppen im Haus, der Rest die Straße davor. Als in etwas eine Stunde später der Gerichtsvollzieher am Ort des Geschehens eintraf hatte er offensichtlich nicht mit einer derartigen Masse und Entschlossenheit der UnterstützerInnen gerechnet und so war lange Zeit unklar, ob es einen Räumungsversuch geben wird oder nicht, die massive Polizeipräsenz rund um die Fontanestraße deutete jedoch darauf hin.

Während der ganzen zeit solidarisierten sich viele der AnwohnerInnen mit Kalle in Form von Versorgung der BlockiererInnen, Schaffung von Öffentlichkeit im Viertel oder sogar der Teilnahme an den Blockaden.

Auch die Medien in Form von Vertretern zahlreicher Tageszeitungen und Fernsehsender waren vor Ort um über den Räumungsversuch zu berichten. Nachdem sich die Berichterstattung im Vorfeld zu Beginn recht kritisch zeigte, zeigten sich der Großteil der Medien nun auf Kalles Seite und trugen durch ihre Berichterstattung dazu bei, eine Öffentlichkeit zu schaffen und somit einen Räumungsversuch zu erschweren.

Auf Grund der großen Anzahl UnterstützerInnen sowie der starken Präsenz der Medien sahen Polizei und Gerichtsvollzieher keine Möglichkeit die Wohnung ohne massiven Aufwand und mehreren Hundertschaften zu räumen, und so gab dann gegen 12 Uhr der Pressesprecher des Amtsgerichtes und des Gerichtsvollziehers eine Erklärung heraus, in der sie die Räumung für ausgesetzt erklärten.

Daraufhin formierte sich eine Spontandemonstration zur Agneskirche, wo eine Abschlusskundgebung stattfand, in der noch einmal auf die Gentrifizierungsprozesse in Köln, die Spekulation mit Wohnraum und die steigenden Mietpreise in der Stadt hingewiesen wurde, auf Grund derer das Wohnen in weiten Teilen Kölns für Normalverdiener kaum noch möglich ist. Auch hier zeigten sich viele PassantInnen und AutofahrerInnen solidarisch.

Nach der abgewendeten Räumung wendete sich Kalle persönlich noch einmal an die Teilnehmer und bedankte sich, entgegen der im Vorfeld von der Presse vertretenen Ansicht er sei gegen seinen Willen von den Bündnissen instrumentalisiert worden, für die zahlreiche Unterstützung und die Solidarität der Menschen. Sichtlich gerührt sagte er zum Ende der Veranstaltung: „[..], es ist kaum mehr eine Wohnung, aber ich werde jeden Tag darin genießen!“

Aussetzen der Räumung bedeutet jedoch nicht das Ende von Kalles Kampf um seine Wohnung, frühestens in zwei Wochen kann erneut ein Räumungsversuch erfolgen. Auch dann gilt es, dem Gerichtsvollzieher entschlossen entgegen zu treten und deutlich zu machen, das wir uns die Profitgier der Immobilienhaie nicht gefallen lassen.

Wir sehen auch weiterhin massenhaft gerade in Städten wie Köln das Problem, dass Wohnungen unbezahlbar werden, außer sie sind völlig verdrängt oder verwahrlost. Viele verschiedene Menschengruppen sind aber auf günstigen Wohnraum angewiesen und geben so oder so schon oftmals mehr als die Hälfte ihres Einkommes für ihre Miete aus. Wir kämpfen auch weiterhin für günstigen Wohnraum für alle und ein Ende der Verdrängung von MieterInnen aus ihren Wohnungen und damit ihrem sozialen Umfeld.

Wir bleiben alle – Alle für Kalle!

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