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Erneute Eskalation im Landkonflikt von Bajo Aguán

14 Tote in den vergangenen zwei Wochen im anhaltenden Landkonflikt. Regierung reagiert mit Militarisierung und entsendet weitere Soldaten

Von Johannes Schwäbl, Oaxaca

amerika21.de

Bajo Aguán, Honduras. Der Landkonflikt in der Region Bajo Aguán ist in den vergangenen Wochen weiter eskaliert und forderte alleine in den letzten zwei Wochen 14 Tote. Aufgrund von Auseinandersetzungen am 14. August, die sechs Todesopfer forderten, ordnete die Regierung des honduranischen De-facto-Präsidenten Porfirio Lobo eine weitere Militarisierung der Region an. Verschiedene Bauern- und Menschenrechtsorganisationen äußerten starke Kritik an der Entsendung weiterer Sicherheitskräfte in die Region und befürchten dadurch eine weitere Verschärfung des Landkonfliktes.

So wurden nur wenige Tage darauf, am 20. August, Pedro Salgado, Vizepräsident der Bauernorganisation MUCA, und seine Ehefrau Reina Mejía von Maskierten in ihrem Hause durch mehrere Schüsse und Machetenhiebe getötet. Nur einen Tag zuvor, wurden die Aktivisten der Bauernorganisation MARCA, Secundino Ruíz und Eliseo Pavón von Unbekannten beschossen. Bei der Attacke verlor Ruiz, zu dessen Schutz die Interamerikanische Menschenrechtskommission vorbeugende Maßnahme angeordnet hatte, sein Leben.

Grund für die weitere Stationierung von bis zu 1.000 Soldaten war eine Besetzung der Finca Panamá durch Aktivisten der Bauernorganisation Movimiento Campesino Colonia Nueva Vida de Rigores (MCCNVR), bei welcher der 17jährige Kleinbauer Javier Melgar und fünf Mitarbeiter des Privaten Sicherheitsdienstes der Finca ums Leben kamen. Laut einer Pressemitteilung des Unternehmens Corporación Dinant, welche auf der Finca Ölpalmen anbaut, griffen die Besetzer den privaten Sicherheitsdienst des Unternehmens an. Zeugen sprechen jedoch davon, dass die Aktivisten direkt nach der Besetzung von Soldaten und privaten Sicherheitskräften umstellt wurden, welche das Feuer eröffneten und dabei zivil gekleidete Mitarbeiter der Sicherheitsfirma mit Besetzern verwechselten.

Zudem wurden am 15. August fünf Mitarbeiter eines lokalen Vertriebspartners der Firma Pepsi von Unbekannten ermordet. Diese waren mit einem ungekennzeichneten Lastwagen in der nähe der Finca San Isidro, welche ebenfalls dem Unternehmen Corporación Dinant gehört, unterwegs. Kurz zuvor befanden sich die Insassen des Lastwagen auf dem Gelände des nationalen Agrarinstituts (INA) in Sinaloa um dort Werbematerial zu verteilen. Das nationale Agrarinstitut unterstützt die verschiedenen Bauernorganisationen in der Region und dient regelmäßig als Veranstaltungsort für Treffen. Zudem grenzt ein Flüchtlingscamp vertriebener Kleinbauern an das Gelände des INA an.

Bauern- und Menschenrechtsorganisationen fordern seit langem eine politische Lösung des Landkonfliktes und machen auf die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen und politischen Morde an Aktivisten der Bauernbewegung in der Region aufmerksam. So unterhält der Eigentümer des Unternehmens Corporación Dinant, der Agrarunternehmer Miguel Facussé, eine 200 Mann starke Privatarmee, welche laut Augenzeugen mit den staatlichen Sicherheitskräften zusammenarbeitet und laut lokalen Kleinbauern für zahlreiche Vertreibungen und Morde verantwortlich ist.

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