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Politische Gefangene in Kolumbien

Zum wiederholten Male ist es in Kolumbien Menschenrechtsorganisationen verboten worden, die Rechte von Insassen in den Gefängnissen und die Situation von politischen Gefangenen zu begutachten. Dabei ist die Situation der bis zu 9500 kolumbianischen politischen Gefangenen schlecht und ungerecht. Auch die FARC-EP haben in ihrer letzten Videobotschaft auf die Verhältnisse in den Gefängnissen aufmerksam gemacht, die einseitige Freilassung von Kriegsgefangenen angekündigt und für einen Gefangenenaustausch plädiert.

Im Januar 2012 wollten Menschenrechtsorganisationen zwei Gefängnisse in Bogotá besuchen, wurden jedoch von der zuständigen staatlichen Behörde (Inpec) daran gehindert. Ziel war es, im Frauengefängnis „El Buen Pastor“ 80 politische Gefangene und im Gefängnis „ERON Picota“ 50 politische Gefangene zu besuchen, die Verstöße gegen die Menschenrechte angezeigt hatten. Die Anzeigen berufen sich auf Stigmatisierungen, politische Verfolgung, Diskriminierungen, Todesdrohungen und körperliche Gewalt. Die Besuche wurden ohne jegliche Rechtfertigung abgelehnt, was die Situation der politischen Gefangenen im ganzen Land ausdrückt: Ungerechtigkeit, Verfolgung, Bedrohung, Folter, Gewalt und Mord.

Wenn wir in Kolumbien von politischen Gefangenen sprechen, dann können wir diesen Begriff in drei verschiedene Typen differenzieren. Zum einen handelt es sich dabei um Personen, die in Aktivitäten der sozialen Bewegungen involviert sind, dass heißt zum Beispiel in Gewerkschaften, Stadtteilvereinigungen und Organisationen von Indígenas und Bauern. Sie werden häufig kriminalisiert, mit den Aufständischen direkt zusammen zu arbeiten. Zum anderen sind es Personen, denen vorgeworfen wird, dass sie Gesinnungshäftlinge seien. Hierunten fallen Professoren, Studierende und Personen mit kritischen oder revolutionären Meinungen. Weiterhin gibt es einen Personenkreis, die als politische Gefangene bezeichnet werden, aber aufgrund ihrer Herkunft aus den aufständischen Bewegungen wie den FARC-EP eher als Kriegsgefangene bezeichnet werden können.

Offizielle Zahlen der Regierung gehen von rund 7500 politischen Gefangenen in Kolumbien aus. NGO´s sprechen jedoch von bis zu 9500 Gefangenen aus politischen Gründen. Die Zustände in den Gefängnissen sind sehr schlecht und Knäste wie jener in Valledupar (Cesar) berüchtigt für ihre Unmenschlichkeit. Generell fehlt es an sanitären Einrichtungen und Trinkwasser, es gibt nur mangelhafte Ernährung und körperliche Beschäftigung, es fehlt am Zugang zum Gesundheitssystem und es gibt sehr selten Freigang bzw. Frischluftzufuhr. Auch unter dem aktuellen Präsidenten Manuel Santos gab es, besonders bezüglich der Studierendenproteste, eine Welle von Festnahmen gegen politische Aktivisten. Die schlechten Bedingungen in den Gefängnissen und die systematische Tortur gegen die Insassen führten alleine in den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 zu sieben Todesfällen unter den politischen Gefangenen. Einige Organisationen sprechen von bedeutend mehr Morden durch das kolumbianische Gefängnissystem.

Bisher wurde alle Versuche der FARC-EP für einen Gefangenenaustausch oder die Haftbedingungen der Tausenden Gefangenen zu verbessern durch die Regierung verhindert. Die FARC-EP unterstützen die Hilfesysteme in den Gefängnissen nach bester Art, sowohl mit finanziellen Mitteln als auch durch politisch-moralischer Art. So gibt es unzählige Kommuniqués und Briefe an die Kämpfer und Kämpferinnen in den Gefängnissen, um zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind.

Brief
An die politischen Gefangenen und Kriegsgefangenen:

„Hier sind wir und hier werden wir immer sein, in der Hitze des Gefechts oder in der Stille des Todes.“

Genossinnen und Genossen, liebe Brüder und Schwestern des Kampfes, es erfüllt uns mit großer Moral und als ein Beispiel der Würde bei dem Gedanken an euch in den Gefängnissen des Regimes. Unser Kommandierender Alfonso Cano ist gestorben, er, der uns mehrere Jahre lang auf unserem Weg zum Sieg begleitet hat. Ein ehrlicher und selbstloser Mann, der trotz der Anfeindungen ihn gegenüber und den Verleumdungen in den Nachrichten unter keinen Umständen klein bei gegeben hat. Im Gegenteil, er gab sein Leben wie viele andere Kämpfer auch für diese freiheitliche und uneigennützige Idee Simón Bolívars.

Mit dem Tod von Alfonso haben wir mehr Mut und Wut bekommen, um gegen diesen Feind voranzukommen und ihn zu vernichten, der Kolumbien so schadet. Deshalb Genossen, nicht einen Schritt zurück, eine Stimme der Ermutigung hallt aus unseren Bergen zu euch, eine Umarmung begleitet euch für den ganzen Widerstand, wie Bäume die sich auf unsere Mutter Erde werfen. Die Erinnerung ist immer bei euch und ein großartiges Beispiel für Würde.

Wir, die Empörten, die Diskriminierten und Ausgeschlossenen, wir erheben uns mehr und mehr in einem einzigen Schwung, vorwärtsgehend im Marsch der Sieger, wie mit den Demonstrationen der Studierenden gegen die Privatisierung der Bildung, die einen großen Triumph für unser Land bildeten.

Durch die Lehren und Orientierungen, die uns unser Oberkommandierender gegeben hat, bleiben wir auf diesem wunderschönen Weg, der aber voll mit Schicksalsschlägen ist. Doch wir haben uns dazu entschlossen, in dieser Konfrontation zu sein und die Interessen der Besitzlosen zu verteidigen. Unser Entschluss muss unbeugsam sein. Sie bringen uns nicht zum Schweigen, man kann den Ruf der Freiheit nicht ruhig stellen, weil unsere Sache gerecht ist, weil unsere Träume unüberwindbar sind und weil die Menschen ihren wahren aufständischen Soldaten vertrauen.

Unser Kolumbien ist voll von Elend und Ausgrenzung, doch darüber hinaus spürt man das rebellierende Aufkeimen. Unsere Leute sind müde, immer unterwürfig und manipuliert zu werden, daher sind sie bereit, alles zu opfern.

Für alle diejenigen, die die Empörung spüren und den Schmerz gefoltert zu werden, die durch den Terror des Regimes eingesperrt und geschlagen werden, bieten wir ein politische Alternative in den FARC mit der bolivarischen Bewegung, die vom Kommandierenden Alfonso Cano im Jahr 2000 gegründet worden ist. Für euch, die der „physischen“ Freiheit beraubt werden, kämpfen wir aufs Äußerste. Um unseren Traum zu verteidigen, sind wir bereit, auch unser Leben zu geben wenn es nötig ist, weil wir wissen, dass am Ende der Sieg unseres Landes sein wird.

Meine Stimme, die am schreien ist, mein Traum, dem ich geradlinig folge, und dass sie wissen, dass ich erst sterbe, wenn ihr heraus kommen werdet, weil der der kämpfend stirbt, lebt in jedem Compañero!

Es lebe Alfonso Cano!
Es lebe die Erinnerung an Alfonso Cano!

Manuela
Kämpferin in den FARC-EP

Berge von Kolumbien – Januar 2012 -

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