Es gibt keine Alternative …

Den Fortschritt sichern: DGB, SPD, Die Linke

Tagtäglich soll uns eingetrichtert werden, dass es zur jetzigen Situation keine Alternative gibt, dass das „Ende der Geschichte“ erreicht sei – es bleibt dabei zwar nicht unerwähnt, dass es „Rezessionen“ oder „Krisen“ gibt und dass man vieles verbessern könne, aber letztlich „geht es uns doch gut“.Der Alltag bescheinigt uns eigentlich das genaue Gegenteil: Vollzeitbeschäftigung garantiert schon lange nicht mehr, dass man damit die Familie ernähren kann, der Trend geht zum Drittjob, Akkordhetze und 8-10 Stunden Arbeitstage mindestens 5x die Woche sind die Regel, Arbeitslosigkeit wächst – auch wenn die geschönten Statistiken* was anderes behaupten – und Armut sowie Verelendung greifen um sich.
Und mit der Drohung der Krise im Rücken werden auch noch Lohnkürzungen, Kurzarbeit oder gar der Lohnverzicht (wie bei Opel) in Kauf genommen – aus Angst den Job zu verlieren.
Hieß es früher: Egal welche Arbeit, Hauptsache Kohle, heißt es heute: egal wieviel Kohle, Hauptsache nen Job!

Gleichzeitig werden Gewinne maximiert, die Produktion hochgefahren und z.B. dem VW-Chef Martin Winterkorn knapp 16 Millionen Euro im Jahr hinterhergeschmissen.

Die Gewerkschaften und Parteien, die sich vermeintlich dabei auf unsere Seite stellen, entpuppen sich bei näherem Hinsehen als nichts anderes als Vermittler in einem abgekartetenSpiel. Mit Parolen wie „Gute Arbeit für Europa!“ ist das Ziel klar umschrieben: Die Sicherstellung des momentanen Ablaufs mit der Aushandlung einiger weniger Zugeständnisse. Wie weit diese Zugeständnisse gehen lässt sich leicht an den Ergebnissen der letzten Verhandlungen bzw. Warnstreiks* ablesen: Löhne werden zwar gesteigert, jedoch halten diese Lohnsteigerungen nicht mal mehr Schritt mit den steigenden Lebenshaltungskosten. Die Beschäftigten im Niedriglohnsektor fallen aus den Regelungen meist sowieso raus… – ach ja – … und die ausgehandelten Tarifverträge gelten ausschließlich für Mitglieder der Gewerkschaft. Die in Deutschland geltende „Tarifautonomie“ garantiert dabei, dass Verhandlungen ausschließlich zwischen ausgewählten Gewerkschaften und Unternehmen geführt werden können.

Gleichzeitig werden in den Parlamenten der BRD umfangreiche Kürzungen und der Abbau von sozialen Errungenschaften beschlossen, da diese – so der Wortlaut – „alternativlos“ seien.

Für uns stellt sich daher die Frage, ob wir uns mit denjenigen einreihen, die uns tagtäglich – natürlich mit der Versicherung, dass sie auf unserer Seite stehen – in den Rücken fallen?

Es gibt keine Alternative… zur Selbstorganisation

Geschichte wird gemacht… nur von wem?
Mit einem Blick auf das Weltgeschehen lässt sich sehr schnell feststellen, dass Aufbrüche oder Umbrüche nur dann zu Stande kommen, wenn wir die Geschicke und die Geschichte in unsere eigenen Hände nehmen und uns selbst organisieren: Der „arabische Frühling“, wo über Monate hinweg zehntausende von Menschen auf die Straße gingen, um ihrer Wut und ihrem Willen nach etwas Neuem Ausdruck zu verleihen; die Occupy Bewegung in den USA, die Empörten in Spanien, Portugal, Italien usw. Weitere Beispiele dafür liegen in der Geschichte: Die Arbeiter- und Soldatenräte während der Novemberrevolution*, der Pariser Mai 68*, die Autonomia in Italien* und zahlreiche andere unterschiedliche Ansätze machen unabhängig von den Auswirkungen und Errungenschaften der Kämpfe deutlich, dass wir es sind, die die Hebel in der Hand haben und dass es letztlich an der Basis – unabhängig von etablierten Institutionen, Parteien und Gewerkschaften – liegt.

Doch wie können wir die Geschichte in die eigenen Hände nehmen?
Das System in dem wir leben und in dem wir aufgewachsen sind schreibt uns vor wie wir zu leben haben, was wir zu tun und was wir zu unterlassen haben. Dabei baut das System auf „Werte“ wie Neid, Egoismus, Misstrauen, der Konkurrenz- und Ellbogenmentalität und die „Nach mir die Sintflut“ Einstellung.
Das Interesse, das hinter diesen „Werten“ steht, ist dabei klar: Das Interesse der Menschen soll vereinzelt werden und letztlich verhindert werden, dass diejenigen, die ein Interesse an einer grundlegenden Veränderung haben, sich zusammenschließen. Dabei werden Vorurteile geschürt, Rassismus propagiert und gegen Arbeitslose gehetzt, so dass immer weiter „nach unten“ getreten werden kann, damit das von oben getreten werden nur noch halb so schlimm ist. Damit wird ein „kapitalistischer Alltag“ geschaffen, der sich ständig selbst reproduziert und uns immer wieder im Weg steht.

Wir müssen die Zwänge dieses Alltags überwinden und positive Ansatzpunkte schaffen.
Im Mittelpunkt muss für uns stehen, einen Weg aus der propagierten Alternativlosigkeit zu ebnen und dabei mit denjenigen, die tatsächlich etwas verändern wollen, eine Perspektive zu entwickeln. Der vorherrschenden Stellvertreterpolitik muss eine Politik ausgehend von der Basis entgegengesetzt werden.

Unser Ansatz ist dabei dort präsent und aktiv zu sein wo sich das Leben des Großteils der Bevölkerung abspielt: im Stadtteil. Dort kommen unabhängig von der Arbeitsstelle und – nicht ganz so unabhängig – von Herkunft und Einkommen Menschen zusammen, die

  • für ein paar Euro stundenlang schuften und ihre Gesundheit kaputt machen,
  • vom Arbeitsamt in irgendwelche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder 1-Euro-Jobs gesteckt werden,
  • keine Lust mehr haben den Großteil ihrer Zeit für ihren Chef zu arbeiten,
  • mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert sind,
  • frisch aus der Schule kommen, keine Perspektive auf Studium, Ausbildung oder Arbeitsplatz haben oder
  • durch ein dem Rollenbild des Mannes unterlegenes Frauenbild innerhalb der Gesellschaft von doppeltem Lohndumping, körperliche Ausbeutung und Gewalt aufgrund des Geschlechts betroffen sind.

Nur wenn diese Menschen zusammenkommen und ihr Interesse zusammenführen, dieses auf die Straße tragen und ihre Vorstellungen umsetzen können, kann Sand ins Getriebe des kapitalistischen Alltags gestreut werden. Ein Ansatz hierfür ist Räumlichkeiten zu schaffen, die ein Scharnier zwischen politischem und sozialen Alltag bilden, die Möglichkeit zur Selbst-Organisierung bieten und durch Kollektivität und Solidarität dem kapitalistischen Alltag etwas entgegensetzen – unabhängig von Staat, Gewerkschaften und Parteien – selbstorganisiert und selbstverwaltet – als Initiative die von unten, von der Basis, entwickelt und entfaltet wird.

Zusammen Kämpfen
für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung


* Die Statistik der Arbeitslosen umfasst mittlerweile nur noch sog. Langzeitarbeitslose. Aus der Statistik fallen z.B. Ein-Euro-Jobber mit mehr als 15 Wochenstunden raus, Kranke, Ausbildungsplatzsuchende, Erwerbstätige im Niedriglohnbereich, die zusätzlich auf Hartz IV angewiesen sind, Arbeitslose, die an Weiterbildungen teilnehmen, Arbeitslose die älter als 58 sind oder wenn Arbeitslose durch private Arbeitsvermittler nach Arbeit suchen…
Dazu kommt noch eine Dunkelziffer von v.a. Jugendlichen, die sich erst gar nicht arbeitslos melden.

* Bei den Warnstreiks im öffentlichen Dienst wurde 6,5 Prozent, aber mindestens 200 Euro monatlich, mehr Gehalt gefordert. Letztlich wurde sich auf eine Erhöhung von 3,5% im Ersten und 2,8% im zweiten Jahr geeinigt. Dabei rausgefallen ist die Forderung von der Mindestzahlung über 200 Euro monatlich, was bedeutet, dass diejenigen die jetzt schon am wenigsten verdienen von der Lohnerhöhung wenig bis gar nichts haben.

Im Vergleich dazu sind in der BRD die Reallöhne – also der Lohn abzüglich der Lebenshaltungskosten – zwischen 2000 und 2009 um 4,5 % gesunken.


* Die Arbeiter- und Soldatenräte sollten im Rahmen der Novemberrevolution 1918/1919 die Parlamente und Gewerkschaften ersetzen und dadurch die Interessen und Bedürfnisse des Großteils der Bevölkerung durchzusetzen anstatt nur die Interessen von einigen wenigen zu repräsentieren.

* Pariser Mai ‚68:
Nachdem Studentenproteste in Paris mit Gewalt blutig niedergeschlagen wurden kam es zu einer breiten Streikwelle in Unternehmen, die unabhängig von Gewerkschaft organisiert worden waren. Diese „wilden Streiks“ breiteten sich bis Mitte Mai zu einem Generalstreik in Paris aus, wo am 20. Mai 6 Millionen Menschen auf die Straße gingen. Der wilde Generalstreik wurde mit Hilfe der Gewerkschaften auf Lohnforderungen begrenzt und damit erheblich geschwächt und letztlich
zerschlagen.

* Die Autonomia war eine soziale Bewegung in Italien in den 1970ern, die sich unabhängig von etablierter Politik, Staat und Parteien organisiert hat und sich dabei an den Bedürfnissen der Menschen orientiert hat. Durch verschiedene Aktionsformen (Mietstreiks, Hausbesetzungen, Schwarzfahren) wurde versucht den Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen.



Leben braucht Raum!

Initiative für ein selbstverwaltetes Stadtteilzentrum in Stuttgart Ost!

Zusammen mit anderen möchten wir Räume in Stuttgart Ost schaffen in denen Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, körperlicher/seelischer Unversehrtheit und dem oftmals viel zu kleinen Geldbeutel ihre Gedanken und Ideen zum Ausdruck bringen können.

Es soll Möglichkeiten zum Austausch und zur Weiterbildung geben, soziale und politische Veranstaltungen stattfinden, Sportangebote zur Verfügung stehen, kulturelle Angebote ihren Platz finden und darüberhinaus Probleme, sei es in der Schule, mit dem Amt, der Ausländerbehörde, oder durch rassistische Hetze oder Gewalt gegen Frauen, gemeinsam angegangen werden können.

www.leben-braucht-raum.de


Regelmäßige Termine:

Treffen für ein selbstverwaltetes Stadtteilzentrum in Stuttgart Ost
► jeden 1. Donnerstag im Monat
► 19 Uhr, Schlampazius
► Wagenburgstr. 147

weitere Infos unter:
www.leben-braucht-raum.de

Zusammen Kämpfen Stadtteilkino
► jeden 2. Donnerstag im Monat
► 18 Uhr Essen, 19 Uhr Film
► Falkenbüro, Wagenburgstr. 77,
► Haltestelle Tunnel Ostportal

Donnerstag, den 10. Mai:
„Strike Bike – Eine Belegschaft wird rebellisch“
über eine besetzte Fahhradfabrik in Nordhausen 2007

„Halyvourgia Ellados – Streik in Griechenland“
über den Streik von ArbeiterInnen einer griechischen Stahlfabrik

Donnerstag, den 14. Juni:
„Giu Le Mani – Hände Weg!“
über einen wilden Streik in den Lokomotivwerkstätten Bellinzonas (Schweiz) 2008

In Vorbereitung:

Samstag, 23. Juni 2012:
„Der arabische Frühling“
Die Aufstände in Nordafrika und ihre Perspektiven

Mit einem Mitglied der Secours Rouge Arab, die in verschiedenen Ländern des Maghrebs aktiv ist.
Der Ort der Veranstaltung steht noch nicht fest.

weitere Informationen unter:
www.zk-stuttgart.tk

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