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MD: Blockaden sollen Nazis stoppen

Blockaden sollen Neonazis stoppen
Rechte wollen Aufmarsch in Magdeburg zum jährlichen Großevent ausbauen

von Markus Bernhardt, junge Welt 28.11.2012

Magdeburg ist ein neuer Anziehungspunkt für die neofaschistische Szene. Bereits in den vergangenen Jahren waren jeweils weit mehr als 1000 Neonazis dem Aufruf einer »Initiative gegen das Vergessen« in die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt gefolgt, um die Bombardierung der Stadt durch die Alliierten am 16. Januar 1945 für ihre Propaganda zu mißbrauchen. Die Rechten wollen im kommenden Januar wieder aufmarschieren. Ihnen ist es in den letzten Jahren aufgrund breit angelegter Proteste von Antifaschisten – wie etwa in Dresden – nirgendwo mehr gelungen, Hetzkundgebungen mit mehreren tausend Teilnehmern durchzuführen. Auch der sogenannte »Nationale Antikriegstag«, zu dem maßgeblich die »Autonomen Nationalisten« über Jahre hinweg am 1. Septemberwochenende nach Dortmund mobilisierten, ist den Neonazis dank der Aktivitäten des Bündnisses »Dortmund stellt sich quer!« und den in diesem Jahr erlassenen Verboten diverser Neonazi-Kameradschaften durch das NRW-Innenministerium abhanden gekommen.

Vieles spricht daher dafür, daß die Neonazis den für sie bisher nahezu ungestört verlaufenden Aufmarsch in Magdeburg zu einem Großevent mit bundesweiter Ausstrahlung ausbauen wollen. Eben diesen Versuch will das antifaschistische Bündnis »Magdeburg Nazifrei« im Keim ersticken. Zu diesem Zweck rufen die Nazigegner, die von Prominenten wie dem ehemaligen DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow, Abgeordneten von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Linkspartei aus verschiedenen Landtagen und dem Bundestag, Antifagruppen, der DKP und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) unterstützt werden, dazu auf, die Provokation der Nazis mittels Blockaden zu verhindern. »Wir wollen uns den Neonazis in den Weg stellen und ihren Aufmarsch dort verhindern, wo sie marschieren, und nicht in weiter Ferne«, so Thea Bauer, eine der Sprecherinnen des Bündnisses, am Dienstag gegenüber jW.

Die Entschlossenheit, an jüngste Erfolge der antifaschistischen Massenmobilisierung anzuknüpfen, stößt nicht überall auf Zustimmung. So treibt einige Protagonisten der sogenannten Zivilgesellschaft offenbar die Sorge um, daß »Magdeburg Nazifrei« andere Vereine, wie etwa »Miteinander e.V.«, um ihre Monopolstellung bringen könnte. So warf Vereinssprecher Pascal Begrich in einem Mitte November im Neuen Deutschland erschienenen tendenziösen Bericht dem Bündnis das »Abwatschen anderer Formen von Engagement« vor. Der Verein hat sich in den vergangenen Jahren stets auf die Organisation einer sogenannten »Meile der Demokratie« beschränkt und den weit über 1000 Neonazis nahezu ausschließlich Bratwurststände und politische Allgemeinplätze entgegengesetzt. Darüber, daß an der rechten Aufmarschstrecke Dutzende Antifaschisten Übergriffen der Polizei ausgesetzt waren, verlor Begrich kein Wort. Unterstützung erhält das antifaschistische Bündnis vom Bundesvorsitzenden der VVN-BdA, Professor Heinrich Fink. »Ich werde mich im Januar an den Blockaden beteiligen«, kündigte der ehemalige Rektor der Berliner Humboldt-Universität am Dienstag im Gespräch mit jW an.

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