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Der sogenannte Disko-Mord von Magdeburg ist aufgeklärt. (Volksstimme)

Nachdem das zuständige Kommissariat der Polizeidirektion Nord bereits am Montagabend einen Tatverdächtigen festgenommen hatte, erließ das Magdeburger Amtsgericht gestern Nachmittag gegen ihn Haftbefehl wegen Totschlags.
Magdeburg. Der Festgenommene zeigte sich wortkarg bei seinen Vernehmungen. Zu dem Vorwurf, dass er in den frühen Morgenstunden des vergangenen Sonnabends einen 20 Jahre alten Studenten totgeschlagen und -getreten haben soll, blieb er stumm.
Bastian O. kennt das „Spiel“. Ist er doch bereits mehrfach vorbestraft. So wurde er im Mai 2006 nach einem Angriff auf einen Studenten aus Togo vom Amtsgericht Magdeburg wegen Körperverletzung, Volksverhetzung und Beleidigung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt.
Der damals 18-Jährige hatte den Schwarzafrikaner zuerst mit rassistischen Sprüchen wie „Neger, was willst Du hier in Deutschland“ beschimpft und ihn dann unvermittelt zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Anschließend hatte er seinen Hund auf den Mann gehetzt, der Ingenieurwissenschaften studierte. Er wurde an Armen und Beinen verletzt.
Hakenkreuztätowierung auf dem Oberschenkel
Der polizeibekannte Rechte war zuvor im November 2005 wegen zweifacher gefährlicher Körperverletzung zu Jugendhaft verurteilt worden. Diese Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Bei der neuerlichen Verurteilung ein Jahr später war die Bewährung allerdings aufgehoben und die Strafe angerechnet worden. Hinzu kamen weitere Delikte wie räuberische Erpressung.
Warum der 20-Jährige mit der Hakenkreuztätowierung auf dem Oberschenkel den gleichaltrigen Rick L. dermaßen schlug und trat, dass der Kunststudent am eigenen Blut erstickte, ist bisher nicht geklärt. Allerdings sind sich die Magdeburger Mordkommission und Oberstaatsanwalt Frank Staufenbiel einig, dass sie auch so genügend Sachbeweise haben, um Bastian O., der erst im Februar aus der Haftanstalt entlassen worden war, hinter Gitter zu bringen.
An der Bekleidung des Verdächtigen habe man „DNA-fähiges Material“ festgestellt, heißt es. Wahrscheinlich handelt es sich um Blut des Opfers.
Nach 17 Uhr hatte der Haftrichter gestern entschieden, Bastian O. bis zur Hauptverhandlung in Untersuchungshaft zu stecken. Die Polizei schirmte den 20-Jährigen nach der Verkündung des Haftbefehls ab und brachte ihn an den meisten Bildjounalisten vorbei, die am Hinterausgang warteten, in ein Auto, das vor dem Magdeburger Justizzentrum wartete.
Auf Totschlag stehen 15 Jahre Haft. Sollte das Gericht bei dem 20-Jährigen nach dem milderen Jugendrecht entscheiden, wäre die Höchststrafe zehn Jahre.
Warum es zu der tödlichen Attacke gegen den jungen Mann kam, der 2007 das Magdeburger Geschwister-Scholl-Gymnasium absolvierte, dann ein soziales Jahr antrat und nun in Braunschweig Kunstwissenschaft, Design und Geschichtswissenschaften studierte, wird, wenn überhaupt, wohl erst während des Prozesses geklärt werden.
Im Internet meldeten sich inzwischen Freunde und Bekannte des Opfers zu Wort. „Warum gerade Rick?“, war die am häufigsten gestellte Frage.
Der Kunststudent selbst hatte noch wenige Tage vor seinem Tode auf einer Internetseite seine Botschaft des Tages verkündet: „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“

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