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Streik der Zuckerrohrarbeiter in Kolumbien

Von: Kanal – B / Für Stimme des Neuen Kolumbien

Am 15. September 2008 haben 8.500 Zuckerrohrarbeiter in der Region Cauca/Valle del Cauca (Kolumbien) die Arbeit niedergelegt. Die streikenden Arbeiter halten acht der 13 Zuckerrohrplantagen in der Region besetzt. Sie fordern direkte Arbeitsvertraege und menschenwuerdige Bezahlung. Es gab bereits mehrere Uebergriffe von seiten des Militaers, das mit Traenengasmunition direkt auf die Arbeiter schoss.

1. Oktober 2008, Palmira, Valle del Cauca, Kolumbien

Der Praesident und die Minister behaupten, der Streik sei von der Guerilla organisiert. Dies dient als Vorwand um Die Armee und Aufstandsbekaempfungseinheiten zu schicken, die in den besetzten Plantagen anwesend sind. In den Medien wird ueber den Streik nur sehr einseitig berichtet. Grossen Raum nimmt z.B. die Behauptung ein, der Streik fuehre dazu, dass das Benzin teurer wird. In den Zuckerrohranlagen der Region werden taeglich 8.100 Tonnen Zucker und 950.000 Liter Ethanol produziert, das dem Benzin beigemischt wird.
Die groesste Plantage (Incauca http://www.incauca.com/) ist im Besitz der Familia Ardila Lule, die in Kolumbien ueber ein Medienimperium verfuegt und die Limonadenfirma Postobon besitzt.

Arbeitsbedingungen

Die Arbeit der Zuckerrohrarbeiter besteht darin, das Zuckerrohr zu schneiden. Der Arbeitstag dauert 12 Stunden und laenger. Der Arbveitstag beginnt um 6h. Da sie oft weit entfernt von den sehr ausgedehnten Plantagen wohnen muessen sie um 4h morgens aufbrechen. Fuer ihre Frauen bedeutet das um 3h aufzustehen um ihren Maennern das Essen zu kochen. Die Arbeiter sind von 4 Uhr morgens bis 19h oder 20h abends unterwegs. Sie verdienen im Durchnitt lediglich 86% des Mindestlohnes, der sich in Kolumbien auf 460.500 Pesos belaeuft, das sind 400.000 Pesos (ca. 130 Euro).

Da sie jedoch keine direkten Arbeitsvertraege haben, sondern in sogenannten Arbeitskooperativen zusammengefasst sind, muessen sie selber fuer die Sozialverischerungsbeitraege aufkommen ab, die die Kooperative abfuerht. Die Sozialversicherung umfasst Gesundheitsversorgung und Rentenversicherung. Abgezogen werden zudem die Transportkosten zum Arbeitsplatz, die sie auch bezahlen muessen, wenn sie nicht arbeiten. Es bleiben als reales Einkommen im Durchschnitt lediglich 220.000 Pesos (72 Euro), das ist weniger als die Haelfte des gesetzlichen Mindestlohnes. Da sie so wenig verdienen, arbeiten sie auch Sontags und Feiertags. Sie nehmen in der Regel nur alle zwei Wochen einen Tag frei. Trotz dieser enormen Anstrengung koennen sie ihre Familien nicht ausreichend mit Essen versorgen, und Schulgeld, Hefte, Stifte, Schuhe fuer ihre Kinder zu bezahlen ist nahezu unmoeglich, zumal, wenn es mehrere Kinder sind. Sie wohnen z.T. in Slums ohne sanitaere Anlagen und mit einer sehr schlechten Gesundheitsversorgung. Manche Frauen arbeiten als Haushaltshilfen und verdienen 200.000 Pesos, die zu einem guten Teil wieder fuer die Anreise ausgegeben werden muessen, sodass ihnen etwa 100.000 Pesos bleiben (32 Euro).

Seit Beginn des Streiks haben die Arbeiter kein Geld erhalten. Sie sind vollkommen auf die Unterstuetzung durch die Bevoelkerung angewiesen, die sich zwar solidarisch zeigt, aber selber arm ist. In Kolumbien, das 44 Millionen Einwohner hat, leiden 30 Millionen an der einen oder andern Form von Mangelernaehrung. Von diesen 30 MIllionen sind 16 Millionen sind unterernaehrt, und 4 Millionen stark unterernaehrt, d.h. sie sind dabei zu verhungern.

Das groesste Problem fuer den Streik ist, dass die Arbeiter den Streik nicht durchhalten koennen, wenn ihre Familien wochenlang nichts zu essen haben. Waehrend in den Plantagen, wo die Arbeiter sind, noch leidlich Essen ankommt, haben die Familien der Arbeiter gar nichts. Die Bevoelkerung der Region, die von den Zuckerrohrarbeiter lebt, ist sehr solidarisch, aber auch arm. Es gibt ein Komitee der Frauen der Zuckerrohrarbeiter, das Geld fuer Essen sammelt, das fuer die Familien bestimmt ist.

In den Streik involviert sind die Gewerkschaften SINALTRAINAL und SINALCORTEROS, sowie die sogenannte “Bewegung 14, Juni” um den Abgeordneten Alexander Lopez (Polo Democratico). Dem Streik vorausgegangen war eine breite Mobilisierung und viele Versammlungen, an denen sich tausende Menschen beteiligt hatten. Am 14. Juli 2008 wurde dem Verband der Zuckerindustrie ASOCAÑA ein gemeinsamer Forderungskatalog aller Zuckerrohrarbeiter uebergeben. Der Verband weigerte sich jedoch bis heute, Verhandlungen aufzunehmen.

Sinaltrainal sammelt ebenfalls Essen fuer den Streik und verteilt es und versucht zudem die Arbeiter zu organisieren. Seit Beginn des Streiks sind, in welchselnder Besetzung, etwa 30 Genossen von Sinaltrainal aus dem ganzen Land vorort, um den Streik zu unterstuetzen. Sie fahren jeden Tag in den Plantagen zu den Streikenden, um sie zu informieren und die Organisation der Arbeiter zu unterstuetzen. Sinaltrainal macht zudem logistische Arbeit und versucht die Menschen in den umliegenden Doerfern ueber den Streik zu informieren und Solidaritaet zu organisieren. Das Ziel von Sinaltrainal ist, dass durch eine breite Mobilisierung der Bevoelkerung aus dem reinen Arbeitskonflikt ein sozialer Konflikt wird der von der Bevoelkerung auch als solcher wahrgenommen wird.

Heute nachmittag werden die Familien der Streikenden nach Cali fahren und eine Demonstration veranstalten.

zugefügt am: 2 Oct 2008

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