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Organisierung der ArbeiterInnen in Mailand

In Mailand haben ArbeiterInnen aus dem Umfeld des INNSE-Arbeitskampfes einen Aufruf zur Organisierung eine ArbeiterInnen-Partei lanciert, um gegen die Krise gewapnet zu sein. Hier die deutsche Übersetzung von www.operaincontro.it:

Es gibt keine Zeit zu verlieren

Die Krise reisst sie mit sich, Fabriken stehen still und Arbeiter gehen dem Elend entgegen. Das auf dem Profit aufgebaute System erleidet Schiffbruch. Die Gelegenheit es zu überwinden kann auf die Tagesordnung gesetzt werden. Wenn nicht jetzt, wann denn? Diejenigen, die zu Tode ausgebeutet worden sind, um die Produktion bis zu den äussersten Folgen voranzutreiben, sollten nun verhungern, weil die gleichen Waren, die sie zuvor produziert haben, und die angehäuften Kapitalien keine Märkte mehr finden, von denen sie zu einem entsprechenden Profit aufgenommen werden. Ein Teufelskreis, der gebrochen werden muss. Wer kann dies tun, wenn nicht die Arbeiter selber? Diejenigen, die gezwungen werden, dem Wirtschaftszyklus zu folgen und in jeder Phase seine Folgen auszubaden: an der Grenze des Auskommens, wenn alle sich bereichern, im Elend, wenn der Mittelstand vorübergehend einige Privilegien verliert.

Bis gestern hiess es: “Arbeitet, arbeitet, Tag und Nacht, flexibel und für wenig Geld!” Heute, morgen und übermorgen wird es heissen: „Hört auf zu arbeiten! Ihr seid entlassen und müsst künftig von der miesen Arbeitslosenunterstützung leben. Ihr habt zuviel produziert, und der Markt ist gestättigt.“ Arbeiter, mit Vergnügen begrüssen wir die grosse Krise und heissen sie willkommen. Das Auto fährt nicht mehr, sie wollen, dass wir von Hand schieben. Es ist Zeit, um es ganz zu zerstören!

Arbeiter, können wir der Krise begegnen mit den üblichen fehlgeschlagenen Illusionen eines erneuerten Kapitalismus, der mit klaren Regeln und Geboten verwaltet wird? War nicht auch der Heuschreckenkapitalismus eine grosse Reform? Mit dem Geld anderes Geld zu machen, war das nicht auch eine Regel, die alle befolgten? War es nicht ein absolutes Gebot, dass der Staat sich nicht in den Markt einmischen dürfe?

Um das Industrie- und Finanzkapital zu retten, sind sie bereit, die gesamte Gesellschaft in den Ruin zu treiben. Um Unternehmer und Banker zu retten, werden sie vor allem die Arbeiter und die ärmsten Schichten der Lohnabhängigen zugrunde richten.

Die Klagen über die Auswirkungen der Krise sind inzwischen zum Gejammer geworden. Wenige haben den Mut, die Wahrheit zu sagen: Man muss sich von diesem System befreien, man muss geradewegs auf eine neue Art von Produktion und Austausch setzen, die nur in der Überwindung dieser Art von Produktion entstehen kann. Die Produktionsweise und der Austausch, die auf dem Profit aufbauen, sind wegen ihrer eigenen Widersprüche in Krise. Die Krise kann keinen „äusseren“ Ursachen zugeschrieben werden.

Hervorragende Ökonomen treffen Vorkehrungen, der Kapitalismus werde nach dieser Krise nicht mehr derselbe sein wie zuvor. Er wird noch schlimmer sein oder er wird nicht sein. Aus der Krise von 1907 ging der Erste Weltkrieg hervor, Arbeiter nagten am Hungertuch oder lagen tot in den Schützengräben. die Krise von 1929 wurde mit dem Zweiten Weltkrieg überwunden, mit der Zerstörung unzähliger Menschen und Maschinen.

Arbeiter, wir können der Krise nicht entgegentreten, wenn wir voneinander isoliert sind, gespalten nach Ethnien, nach Nationen. Wir müssen uns als internationale Klasse zusammentun, wir sind eine internationale Klasse. Aber keine Klasse kann sich Achtung verschaffen, wenn sie nicht eine eigene Partei hat, und hier benützen wir den Ausdruck „Partei“ in einem vollkommen verschiedenen Sinn im Vergleich zu den politischen Parteien, die wir kennen, mit ihren Wählern und Parlamentariern. Die Form von Partei, die sich die Arbeiter geben werden, wird vollkommen anders gebildet, ist neu zu erfinden. Dazu wird uns weder die Kraft, noch die Intelligenz fehlen. Die Arbeiter brauchen eine eigenständige Partei, getrennt von allen andern, eine eigene politische Partei. Die grosse Krise ist die Voraussetzung, damit sie tatsächlich möglich wird.

Die Partei der Arbeiter wird nicht von heute auf morgen aufgebaut, sie hat keine mächtigen Finanzmittel, sie hat keine Führer, die fix und fertig aus den Hochschulen herauskommen. Die Partei der unterdrückten Klasse wird mühsam gebildet, aus der tatsächlichen Notwendigkeit heraus, sich nicht zerdrücken zu lassen, aus dem Bedürfnis, sich gegen ein Sklavenleben aufzulehnen. Natürlich ist nicht der Salon, sondern die Fabrik, der Arbeitsplatz, das Gelände, wo sie sich bildet, sich organisiert.

Die Unabhängigkeit der Arbeiter wird dann reif, wenn alle andern Oppositionsparteien zeigen, dass sie keine Antworten mehr haben, wenn sie beweisen, dass sie in jedem Fall innerhalb des Systems stehen und für das System einstehen, wie kritisch sie auch sein mögen und wie sehr sie sich auch als Erneuerer verstehen. Die Partei der Arbeiter wird von einer realen Bewegung hervorgebracht, durch welche die Arbeiter selber sich als Klasse und somit als eigene politische Organisation zusammenschliessen. Zu diesem Zusammenschluss ist jeder beliebige Arbeiter aufgerufen, der in der Krise das Scheitern eines Systems sieht, das ihn bis auf die Knochen ausgebeutet hat, jeder beliebige Arbeiter, der begriffen hat, dass dieses System überwunden werden kann und muss, jeder beliebige Arbeiter, der sich als Teil einer Klasse von Sklaven fühlt, die sich befreien will.
Diese Arbeiter fordern wir auf, einzugreifen und dazu beizutragen, eine allgemeine Versammlung vorzubereiten. Der erste Schritt: auf lokaler Ebene Versammlungen unter den Arbeitern der Betriebe und den Aktivisten zu organisieren. Die dazu aufrufenden Arbeiter stehen zur Verfügung, um direkt an solchen Initiativen teilzunehmen. Schliessen wir uns zusammen! Die Krise wird fürchterlich hereinbrechen, es gibt keine Zeit zu verlieren.

Die Gründer:
Donato Auria, entlassener Arbeiter von Fiat in Melfi
Francesco Ferrentino, entlassener Arbeiter und Betriebsrat Flmu CUB von Fiat in Melfi
style="font-size: small;">Enzo Acerenza, Arbeiter und Betriebsrat Fiom der INNSE Presse in Mailand
Massimo Merlo Betriebsrat Fim der INNSE Presse in Mailand
Peppe Ianaccone, Arbeiter bei Fiat in Avio Pomigliano
Francesco Ficiarà, Arbeiter bei Fiat New Holland in Modena
Giuliano Cocco, Arbeiter bei Terim in Modena
Francesco Galloro, Arbeiter und Betriebsrat Fiom Jabil Cassina de Pecchi (Mi)
Rosario Schettino, Betriebsrat Fiom Ansaldo Camozzi Mailand
Luigi Esposito, Arbeiter, Comitato contro l’amianto ex Falck, Sesto San Giovanni (Mi)
Tonino Innocenti, entlassener Arbeiter von Fiat in Melfi
Massimo Pignone, Arbeiter bei Italtractor in Potenza

Für Treffen, Versammlungen, Kontakte oder Erläuterungen schreibt an die Mail-Adresse:
solidarietaoperaia@gmail.comDiese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst
oder telefoniert: (0039) 333 22 77 438
Mailand,  24. November 2008

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