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Türkei: Operation Nummer drei

Türkei: Trotz schwerer Krebserkrankung wird Güler Zere nicht aus Gefängnis entlassen

Von Carsten Ondreka junge Welt 16.10.

Güler Zere, eine von Tausenden politischen Gefangenen in der Türkei, mußte erneut operiert werden. Wie Oya Aslan, Rechtsanwältin der in Haft an Krebs erkrankten 37jährigen Frau, am Dienstag mitteilte, erfolgte der Eingriff am Montag. Festgestellt worden sei, daß sich die Krebszellen weiter ausgedehnt hätten. Nach ihrer Operation seien Zere Fußfesseln mit der Begründung angelegt worden, daß die Patientin fliehen könnte.
Die Gefangene war 1995 unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der DHKP-C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front) verhaftet worden. Sie wurde im Staatssicherheitsgericht (DGM) in Malatya angeklagt, mit einer lebenslänglichen Haftstrafe belegt. Seit dem 27. August wartet sie auf einen Befund des gerichtsmedizinischen Instituts in Adana, mit dem entschieden werden soll, ob die Schwerkranke aus dem Gefängnis entlassen wird oder ob eine adäquate Behandlung auch dort möglich ist. Doch offensichtlich spielen die türkischen Behörden auf Zeit.
In den vergangenen sieben Monaten mußte Zere drei schwere Operationen über sich ergehen lassen und sich einer sechswöchigen Radiotherapie unterziehen. Anfang Oktober wurden Krebszellen im rechten Nackenbereich festgestellt, die sich nach Ärzteauskunft »aggressiv ausbreiten«. Um den Ernst der Lage zu erkennen, so Anwältin Aslan, reichten alleine schon die Behandlungsmethoden, die angewendet werden mußten. Mit den Fußfesseln sollte die Moral ihrer Mandantin geschwächt werden. Sie betonte weiterhin, daß die Kranke von niemandem Privilegien, eine Sonderbehandlung oder Gnade erwartet. »Wir wollen lediglich, daß die Gesetze eingehalten werden und Güler Zere freigelassen wird.«
Das verlangen auch viele andere Menschen in der Türkei. Es finden Woche für Woche Demonstrationen in Istanbul und anderen Städten der Türkei statt. Mahnwachen, Kundgebungen und weitere Aktionen für Güler gibt es mittlerweile fast täglich. Sogar in Fußballstadien wurde der Protest schon getragen. Auch in Eu­ropa wird die Forderung nach Freilassung der krebskranken Gefangenen erhoben. So findet in Wien seit einigen Wochen regelmäßig Mittwoch nachmittags eine Kundgebung für Güler Zere statt.

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