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Für das Leben und die Freiheit von Güler Zere

 

Güler Zere – seit 14 Jahren im türkischen Knast – ist lebensbedrohlich erkrankt: sie hat einen Mundhöhlenkrebs im Endstadium und musste vor 14 Tagen bereits das dritte Mal operiert werden. Nach dieser OP, bei der Ausbreitung der Krebszellen im Nackenbereich festgestellt wurde, wurde sie nach Angaben ihrer Anwältin Oya Aslan gegenüber der Tageszeitung Junge Welt umgehend mit Fußfesseln fixiert…

Ihr „Vergehen“ war ihre Gesinnung. Als die damals 23-jährige Türkin bei einer militärischen Operation türkischer Streitkräfte in der Provinz Tunceli (Dersim) inhaftiert wurde, hielt man ihr vor, Mitglied der DHKP-C (Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front) zu sein. Solcherart Gesinnungsjustiz kennen wir leider auch aus unserem Land. Auch in Stuttgart-Stammheim sitzen etliche Türken ein, denen ein Verfahren nach § 129 b (Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung) gemacht wird.

Einzigartig und unmenschlich indes sind die Haftbedingungen in der Türkei. In „schöner“ Regelmäßigkeit berichtet „amnesty international“ von Rechtsverstößen mit Todesfolge. So beschreibt AI-UK den Fall des 19-jährigen Ferhat Gerçek, der vor 2 Jahren erst niedergeschossen und dann querschnittsgelähmt eingeknasted wurde ( http://www.amnesty.org.uk/actions_details.asp?ActionID=512). Im jetzt gegen ihn laufenden Verfahren wegen Verstoß gegen das Versammlungsrecht, Wuderstand und Beleidigung gegen Staatsgewalt und Sachbeschädigung werden 17 Jahre Gefängnis gefordert – dabei hatte er nur eine linke Zeitung verteilt, als er niedergeschosse wurde.

Erol Zavar, Ismet Akbal und Menduh Kiliç – all dies sind weitere Namen von Gefangenen, die wie Güler Zere todkrank sind oder es, wie im Fall Ismet Akbars, vielmehr waren. Denn Ismet verstarb bereits am 18. Juli 2009 im Gefängnis von Diyarbekir.

*Keine ausreichende medizinische Behandlung*

All diese Namen stehen für ein Dutzend politischer Gefangener in der Türkei, denen vernünftige medizinische Betreuung verwehrt wird, obwohl sie schwer krank sind. Auch der Kurde Ismet starb an Krebs. Sein Hautkrebs wurde jedoch lange als psychosomatische Störung abgetan. Ein Mithäftling beschreibt in der Tageszeitung Taraf seine Qualen der letzten Tage vor seinem Tod.

Besuche von Eltern und Bekannten blieben untersagt. Lediglich seine Schwester wurde einige Male vorgelassen.

Auch Güler Zeres Zustand spitzt sich bereits dramatisch zu. Der Vorstand der gerichtsmedizinischen Abteilung des Universitätskrankenhauses hat bereits in zwei von der Staatsanwaltschaft angeforderten Gutachten die Haftunfähigkeit bescheinigt. Im Gegenteil: dort wird attestiert, dass sich die Patientin in unmittelbarer Lebensgefahr befindet und die Haft eine Behandlung verunmöglicht.

Die türkischen Behörden lassen sich jedoch weiterhin Zeit. Den erfolgten Diagnosen wird eine „Widersprüchlichkeit“ unterstellt. Das Justizministerium lässt die Gefangene letztlich „zu Tode prüfen“. Während ihr die Möglichkeit einer effektiven Behandlung und moralischer Unterstützung, sowie die Rechte auf freie Ärztewahl und alternative Behandlungsmethoden genommen werden, wird in Wirklichkeit auf ihren Tod gewartet.

So werden aus durchaus therapierbaren Krebserkrankungen, die auch durch die unhygienischen Bedingungen einer Isolationshaft in schlecht gelüfteten Zellen ohne Fenster begünstigt werden, in dieser menschenverachtenden Strafverfolgung willkürliche Todesurteile. Die Türkei muss sich den Vorwurf der Folter durch Unterlassung gefallen lassen.

*Solidarisch handeln!*

Wir rufen Euch auf, ihren Tod aufzuhalten und zu verhindern, dass Güler Zere vor unseren Augen ermordet wird. Deshalb könnt ihr, wo auch immer Ihr Euch befindet, die unten angefügten Kontaktdaten nutzen und ein Fax an das Justizministerium der Türkei schicken, bzw. dort anrufen und darauf hinweisen, wie dringend die Freilassung von Güler Zere ist. Ihr könnt außerdem gegen diese Gegebenheiten protestieren. Vor allem aber wäre es wichtig, Güler Zere zu zeigen, dass Ihr auf ihrer Seite steht, indem Ihr einen Brief an sie schickt.

Wir rufen Euch alle auf, diesem Tod bitte entgegen zu wirken. Unterschreibt unseren Solidaritätsaufruf!

Sendet bitte Briefe zur Solidarität mit Güler Zere an:

(im Krankenhaus)
Güler Zere
Çukurova Üniversitesi
Balcalı Araştırma Hastanesi
Mahkum Koğuşu
Adana
TÜRKEI

(im Gefängnis)
Güler Zere
Karataş Hapishanesi
Adana
TÜRKEI

Proteste bitte an:

email des türkischen Generalkonsulats:  tgk.dus@t-online.de

oder

Justizministerium der Türkei
06669 KIZILAY/ANKARA
TÜRKEI
TEL: 0090 312 417 77 70
FAX: 0090 312 419 33 70

*Kundgebung mit Übergabe von Unterschriftenlisten an türkische Konsulin*

Wir haben in Nürnberg auf Infoständen bereits einige hundert Unterschriften unter eine Resolution gesammelt, in der Freiheit für Güler Zere gefordert wird.

Diese Unterschriftenlisten wollen wir am Montag, 2.11. um 10 h früh anlässlich einer Kundgebung vor dem türkischen Konsulat (Regensburger Str. 96) der türkischen Konsulin persönlich übergeben.

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