International Solidarity

International Solidarity 20.03.2010@indymedia


Das folgende Interview mit den Genossinnen Leila Khaled und Shireen Said wurde von dem britischen Journalisten Sukant Chandan geführt und am 8. März – dem Internationalen Frauentag – veröffentlicht
Die Unterdrückung des palästinensischen Volkes wird in erster Linie durch die finanzielle, diplomatische und militärische Unterstützung der USA für den zionistischen Staat organisiert, des Weiteren aber auch durch die Komplizenschaft der pro-westlichen Staaten in der Region. Nach dem Fall des Bruders des Zionistenstaates – dem Apartheidstaat Südafrika – bleibt der palästinensische Kampf vermutlich der führende und stärkste antiimperialistische Kampf in der Welt. Deshalb sind die palästinensischen Frauen ein bedeutendes Beispiel dafür, welche Rolle Frauen in dem Kampf für ihre Befreiung, die Befreiung ihrer Familien, Gemeinschaften und ihrer Nation vom Imperialismus spielen können.
Leila Khaled verhalf dem palästinensischen Kampf zu weltweiter Beachtung durch zwei dramatische Flugzeugentführungen 1969 und 1970, in denen niemand außer einer ihrer eigenen Genossen ums Leben kam. Bei der getöteten Person handelt es sich um den amerikanisch-nicaraguanischen Patrick Arguello. Khaled berichtet von der Flugzeugentführung in ihrer Autobiographie „Mein Volk soll Leben“ (1973), in der sie schreibt:

„Patrick Arguello, ein siebenundzwanzig Jähriger Vater von drei Kindern, nikaraguanischer Staatsbürger, geboren in San Francisco, USA, wurde für Tot erklärt. Was bewegt jemanden dazu, die halbe Welt zu durchreisen um von Palästina aus eine gefährliche Mission auszuführen? Patrick war ein revolutionärer Kommunist. Seine ritterliche Aktion war eine Geste internationaler Solidarität. Eine Flamme des Lebens war erloschen; sie beleuchtete die Welt für einen Augenblick und brannte dann ihre Spur zurück nach Palästina. Arguello lebt, wie mein Volk lebt, wie auch die Revolution!“
Leila Khaled bleibt eine der inspirierendesten und einflussreichsten linken antiimperialistischen Frauen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie blieb bis zum heutigen Tag in der Führung der palästinensischen Revolution aktiv, derzeit sowohl als Mitglied des Zentralkomitees der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) als auch als Repräsentantin des Palästinensischen Nationalen Rates.
Der Aufstieg der islamistischen Hamas in der palästinensischen Revolution seit Mitte der Neunziger bedeutete für viele Menschen, den palästinensischen Kampf eher mit dem Islamismus der Hamas als mit Leila Khaled und anderen palästinensischen und arabischen Revolutionären wie dem libanesischen kommunistischen Widerstandskämpfer Souha Bechara zu verbinden. Die 42-Jahr-Feier der PFLP in Gaza jedoch, an der sich 70.000 Menschen beteiligten, zog die Aufmerksamkeit auf die palästinensische revolutionäre Linke und ebenso auf die Rolle der Frau: Auf der Bühne stand, in Militäruniform salutierend, eine junge Frau aus der PFLP, Shireen Said genannt, und leitete mit ihren männlichen Genossen die Versammlung. In einem Interview mit dem Autor beschreibt Said ihre Geschichte:
Sie wurde 1985 im Flüchtlingslager Jabalya geboren, in dem die „Kinder der Steine“ die Erste Intifada begannen. „Meine Kindheitserinnerungen sind größtenteils auf die Intifada bezogen“, erklärt sie. Als Teenager wurde sie dann Mitglied in einer PFLP-nahen Studentenbewegung:

„Ich erhielt meinen Bachelor in Sport an der al-Aqsa-Universität. Ich arbeitete mit vielen Genossen in der Fortschrittliche Studenten-Arbeiter-Front (Progressive Student Labour Front), bevor ich die Stellung der Sekretärin des Studentenwerkes bekam. Ich war die erste junge Frau in Gaza, die durch demokratische Wahlen an der Universität eine solche Position erhalten hat. Nach meinem Abschluss arbeitete ich in den Komitees der Vereinigung der palästinensischen Frauen (Union of Palestinian Women), die Teil des fortschrittlichen, feministischen Kampfes für die Befreiung der Frau ist, Frauen zusammenbringt und ihre Gleichstellung mit Männern auf nationaler und demokratischer Ebene anstrebt. Gemeinsam mit meiner professionellen Arbeit in verschiedenen Nichtregierungsorganisationen als Aktivistin für Angelegenheiten der Jugend bin ich nun ein Vorstandsmitglied der Palästinensischen Fortschrittlichen Jugend-Union (Palestinian Progressive Youth Union). Außerdem studiere ich für meinen Master in Erziehung an der al-Azhar Universität.“
Wie viele junge Frauen auf der ganzen Welt ist Shireen Said von dem Beispiel Leila Khaleds‘ inspiriert gewesen:

„Natürlich ist Genossin Leila Khaled als nationale und internationale Kämpferin eine Quelle der Inspiration für alle Frauen, die Freiheit, soziale Gerechtigkeit und eine unabhängige, gedeihende Heimat für sich wie auch die kommenden Generationen erlangen wollen.“
Als Leila Khaled gefragt wurde, wie sie auf Shireen Said’s Beschreibung reagiere, erklärte sie: „Ich bin stolz wenn ich von jemandem als Symbol für Widerstand gesehen werde; es gibt mir Kraft und Zuversicht für mein Volk. Frauen opfern ihr Leben für den Kampf in Palästina und anderorts.“
Leila Khaled ist ein Symbol für viele palästinensische junge Frauen, Said eingeschlossen; ein Symbol, das für die Aufopferung für den Kampf ihres Volkes steht:
„Meine Geschichte um Genossin Leila Khaled begann im Kindergarten, als wir nationale Lieder über die Intifada, die Märtyrer und Helden wie Leila, Ghassan Kanafani und Wadi Haddad lernten. Als ich älter wurde, wuchs auch mein Interesse an -und meine Liebe für Leila: Auch wenn ich keine Chance hatte, sie zu treffen, inspirierte sie mich und ich war stolz auf sie. Als Frau argumentierte sie, dass niemand sie von der gemeinsamen Teilnahme mit Männern am Kampf hindern konnte, deshalb ist Genossin Leila ein Beispiel für mich und viele andere Frauen.“
In diesem geschichtlichen Augenblick werden die Prinzipien und die Moral der palästinensischen, revolutionären Linken von Vielen in der traditionellen, größtenteils islamisch geprägten arabischen Gesellschaft als fremd oder unnötiger Import westlicher Ideale und Standards gesehen; deshalb war die Entscheidung von Said, an der Leitung der PFLP Versammlung teilzunehmen, keine leichte:

„Ich war unsicher so einer großen Versammlung gegenüber zu stehen – durch die Umstände in unserer konservativen und traditionellen Gesellschaft, aber auch weil zum ersten Mal eine junge palästinensische Frau auf einer solchen Veranstaltung im Militäranzug erschien; nichtsdestotrotz entschied ich mich für diese Erfahrung.“
Said erklärte, wie ihre Entscheidung vor allem von der Standhaftigkeit der Massen in Gaza während des barbarischen zionistischen Angriffes im letzten Jahr beeinflusst wurde:
„Die Erinnerungen an die zionistischen Massaker in Gaza im Januar 2009 waren immer noch unverarbeitet und frisch in den Köpfen und Herzen der Menschen, darum wollte ich die Botschaft präsentieren, dass trotz des Mordens, der Zerstörung und des Terrors durch den zionistischen Krieg unsere Männer und Frauen im Widerstand Seite an Seite stehen werden, in dem Widerstand, welcher unser Weg zur Befreiung und zur Freiheit darstellt. Auf der Versammlung war ich zufrieden, durch meine Person diese Nachricht durch das Fernsehen und Internet zu Millionen Menschen auf der ganzen Welt senden zu können. Meine Familie war ebenfalls sehr stolz auf mich.“
Khaled betonte die Notwendigkeit, hunderte palästinensischer Frauen in der Gefangenschaft zu verteidigen:

„Ich denke besonders an die Frauen in den israelischen Gefängnissen; diese Frauen sind der Beweis für die Folter und Unterdrückung durch die Besatzung und zugleich stellen sie ein Beispiel des Mutes und der Stärke dar.“
Als sie nach ihrer Nachricht anlässlich des internationalen Frauentages gefragt wurde, antwortete Said:

„Zuerst möchte ich meine Grüße an alle Frauen senden, die das Banner des Kampfes gegen Kapitalismus und Imperialismus tragen, und ich sage ihnen, dass unser Weg weit und hart ist und gut durchdachte Strategien erfordert. Wir dürfen nicht vergessen, dass das kapitalistische System Frauen unterdrückt und ausbeutet und sie ihrer Menschenwürde beraubt. Deshalb müssen wir den Werten der Menschlichkeit und fortschrittlicher Politik verpflichtet bleiben, dabei eine vereinte und starke radikale Linke als die beste Möglichkeit zum Erreichen unserer Ziele ansehen. Dies ist der einzige Weg um Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit für uns, unsere Familien und Kinder zu erlangen.“
Die Botschaft von Khaled schließlich richtet sich an die Frauen in Palästina, ins Besondere jener auf der West Bank und Gaza, und ihre Rolle bei der Zusammenführung der Fraktionen, insbesondere Hamas und Fatah, ein Prozess der Versöhnung, in dem die PFLP eine zentrale Rolle gespielt hat:

„In dieser politischen Situation ist es die wichtigste Aufgabe, unser Volk angesichts des Terrors der Besatzung zu vereinigen, und die wichtigste Grundlage dieser Einheit muss der Kampf gegen die Besatzung darstellen. Es ist wichtig zu begreifen, dass die palästinensischen Massen die Einheit durch demokratische und zivile Mittel und durch Druck auf die Hamas und Fatah erlangen werden. Palästinensische Frauen sind durch diese innerpalästinensischen Spaltungen ins Besondere betroffen, da viele ihrer Familien dadurch ebenfalls entzweit werden – deshalb bin ich überzeugt, dass die Palästinserinnen die Bedeutsamkeit der Einheit im palästinensischen Kampf und ihre besondere Rolle in der Erlangung selbiger erkennen.“

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