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ANGRIFF AUF TEKEL ARBEITERiNNEN IN ANKARA

Am Donnerstag, den 1. April befanden sich Tausende TEKEL-ArbeiterInnen auf dem Weg nach Ankara, um ihre erste große Aktion, einen Monat nach dem Abbau der Hungerstreikzelte, abzuhalten.

Bereits in den Morgenstunden waren Busse aus vielen Städten der Türkei unterwegs nach Ankara. Nahezu alle Busse wurden von der Polizei vor der Einfahrt nach Ankara gestoppt. Nach Angaben von Gewerkschaftsvertretern wurden Busse beschlagnahmt.
Hunderte Menschen, denen es gelungen war, die Barrikaden zu durchschreiten, hatten sich  in der Nähe der Türk-Is Zentrale in Ankara versammelt. Sie wurden von allen Seiten von der Polizei umzingelt. Rund 10.000 Polizisten standen den ArbeiterInnen gegenüber. Der Polizeiterror wurde von Polizeipanzern, Wasserwerfern und Hubschraubern begleitet. Es kam tagsüber bereits zu Übergriffen der Polizei, unter Einsatz von Polizeiknüppeln, Gasbomben und Pfeffergas. Es wurde über Verletzte und Festnahmen berichtet.
Während einer live-Übertragung des Anatolien Radios gegen 19.30 Uhr MEZ mit dem Vorstandsmitglied der KESK, der sich nach einem Angriff auf den Demonstrationszug der KESK mit seinen KollegInnen zu den ArbeiterInnen durchkämpfen konnte und sich zu dem Zeitpunkt im Polizeikessel befand, waren ständig Aufrufe der Polizei zu hören. Aus dem Megaphon dröhnte es “Wenn ihr die Versammlung nicht in einer halben Stunde auflöst, dann werden wir eingreifen!” Die ArbeiterInnen leisteten Widerstand. Erst gegen 20.00 Uhr schien sich die Situation doch noch zu entspannen und die Versammlung wurde allmählich von den ArbeiterInnen aufgelöst.

Bericht über die Polizeiangriffe und den Widerstand der ArbeiterInnen am 1. April:

Ankara wurde zwei Tage lang von der Polizei umzingelt

Die Polizei ging zwei Tage lang gegen die ArbeiterInnen und deren UnterstützerInnen vor, die für eine eintägige Aktion nach Ankara gekommen waren. Zwei Tage lang wurde Ankara von der Polizei eingekesselt.

1. APRIL

Am Morgen des 1. April wurden ArbeiterInnen, die aus verschiedenen Städten der Türkei anreisten an der Einfahrt nach Ankara gestoppt. Busse aus Antakya, Istanbul und Izmir wurden von der Polizei ohne jegliche Angabe von Gründen beschlagnahmt. Die ArbeiterInnen marschierten zu Fuß weiter ins Stadtzentrum. Die ArbeiterInnen, die mit keinerlei Behinderungen konfrontiert wurden, sahen plötzlich – als sie das Stadtzentrum erreichten, dass alle zur Türk-Is Zentrale führenden Wege durch Polizeibarrikaden gesperrt wurden.

Selbst den Ladenbesitzern in der Sakarya Straße wurde der Zutritt verweigert. Von ihnen wurde als Nachweis ein Steuerblatt verlangt. Von Zeit zu Zeit kam es zu Wortgefechten zwischen den KleinhändlerInnen und den Polizeikräften. Infolge dessen begann sich eine Gruppe von etwa 60 Tekel-ArbeiterInnen auf der Mithatpasa Straße zu versammeln. Doch im Zuge der strengen Haltung der Polizei und deren Warnaufrufe, dass sich die Gruppe aufzulösen habe, wurde binnen weniger Minuten der Straßenverkehr blockiert.

Daraufhin intervenierte die Polizei gegen die ArbeiterInnen und öffnete die Straße für den Verkehr. Die ArbeiterInnen versammelten sich erneut in der Adakale Straße. Währenddessen stieg  die Zahl der Tekel-ArbeiterInnen und der UnterstützerInnen laufend an. Hier begannen die Tekel-ArbeiterInnen vor einer Polizeibarrikade zu warten, um weitermarschieren zu können. Die Zahl der AktivistInnen stieg unterdessen weiter an. Gegen Mittag, versuchten Mitglieder der KESK-Gewerkschaft, die sich vor der Egitim-Sen versammelt hatten, in die Sakarya Straße einzudringen. Doch sie wurden mit einer noch größeren Polizeibarrikade konfrontiert. Als die KESK darauf beharrte zu marschieren, griff die Polizei ihre Mitglieder mit Knüppeln und Pfeffergas an. Die KESK-Mitglieder, die sich durch den Angriff nicht auseinander treiben ließen, begaben sich danach über Seitenstraßen zu der Straße, in der sich die Tekel-ArbeiterInnen befanden und schlossen sich ihnen an. Später schloss sich auch die TMMOB auf gleichem Weg zur Unterstützung der ArbeiterInnen dem Block an. Während des Aufenthalts in der Adakale Straße versuchte die Polizei die Tekel-ArbeiterInnen und deren UnterstützerInnen ständig durch Annoncen, in denen sie sagte, dass die Aktion nicht legal sei, dass sich in der Gruppe Provokateure befänden und dass sie in diesem Zusammenhang Hinweise erhalten hätten, zu beunruhigen. Dabei setzten sie immer wieder ihre Helme auf und gingen in Angriffsstellung. Die Polizei versuchte die ArbeiterInnen mit Annoncen in den Abdi Ipekci Park zu verweisen. Es war auffallend, dass sich während der ganzen Zeit, in der sich die ArbeiterInnen dort befanden, keine Erklärung von seiten der Türk-Is kam, und dass sich auch kein Türk-Is-Vertreter am Platz befand.

Gegen 16.00 Uhr marschierten die ArbeiterInnen in Richtung Ziya Gökalp Straße. Später begannen die ArbeiterInnen, denen es gelang zum Sakarya Platz vorzudringen, mit einem Sitzstreik. Währenddessen machte die Polizei ständig eigenartigen Annoncen, in denen sie die ArbeiterInnen aufforderte, den Platz zu verlassen.

25 Straßen, die zum Sakarya Platz führten wurden mit Polizeibarrikaden abgeriegelt. Rund 7200 Polizisten waren im Einsatz, um die Massen daran zu hindern, vor die Türk-Is Zentrale zu kommen. Den ganzen Tag lang, flogen Hubschrauber über die Straßen und Plätze, in denen sich die ArbeiterInnen versammelten.

Gegen 21.30 Uhr gingen die AktivistInnen und die Gruppe, die sich in der Ziya Gökalp Straße versammelte auf.

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