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Nazi-Sprühereien am Libertären Zentrum Magdeburg

Nazi-Sprühereien am Libertären Zentrum Magdeburg

Hakenkreuz und Davidstern im Eingangsbereich des L!Z.

In der Nacht vom 22. zum 23. Mai wurden an der Haustür des Libertären Zentrums sowie in dessen Umfeld (neo-)nazistische Graffiti angebracht. Die vor einiger Zeit offensichtlich von Anifaschist_innen gesprühten Schriftzüge, die eine „Antifa Area“ ausrufen, waren um ein „Anti“-Präfix ergänzt worden und lasen sich nun „Anti Antifa Area“. Außerdem fanden sich „Nationaler Widerstand“-Schriftzüge an der Fassade des Libertären Zentrums, am Mariannenplatz und entlang der Hauptverkehrsstraße Alt Fermersleben. An die Fassade des L!Z wurde ein Hakenkreuz gesprüht; auf dem Briefkasten prangte ein Davidstern. An Laternen- und Strommasten wurden zahlreiche NPD- und JN-Aufkleber angebracht. Stunden zuvor waren aus einem vorbeifahrenden Auto rechtsradikale Parolen in Richtung des Hauses gerufen worden. Die Verunstaltungen wurden durch Aktivist_innen umgehend wieder entfernt.

Bereits vor Kurzem waren mehrere Transparente bzw. Fahnen von der Fassade des Libertären Zentrums entwendet worden.

Diesem neuerlichen Affront gingen zwei Übergriffe voraus:

  • In der Nacht zum 5. Dezember 2009 drangen betrunkene Nazis in das Haus ein und richteten Sachschäden an. Zwei der Angreifer wurden durch die Polizei gestellt.
  • In der Nacht zum 14. Februar 2010 wurden mehrere Personen vor dem Libertären Zentrum in einer offensichtlich geplanten Aktion von Neonazis angegriffen. Die Täter traten dabei teils gezielt in die Kopfregionen der Angegriffenen. Wenige Stunden zuvor hatte ein breites bürgerliches und antifaschistisches Bündnis eine geschichtsrevisionistische Großdemonstration anlässlich der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg verhindert. Der Angriff war vermutlich einer der deutschlandweit als Reaktion darauf verübten Racheakte.

Die Umgebung des Libertären Zentrums

Das Libertäre Zentrum befindet sich im Süden Magdeburgs an der Grenze zwischen den beiden Stadtteilen Fermersleben und Salbke. In dieser wirtschaftlich strukturschwachen Region halten sich noch mit Springerstiefeln bekleidete, kahlköpfige Neonazis auf und trinken bei einem Kiosk nur wenige hundert Meter vom L!Z entfernt auch gerne mal ein Bier über den Durst.


In Magdeburg kommt es fortwährend zu rassistischen, homophoben und neonazistisch motivierten Aktivitäten. Öffentlich bekannt ist beispielsweise, dass am 26. März ein Migrant zunächst von mehreren Personen beleidigt und anschließend geschlagen wurde [Quelle]. Am 3. April kam es auf Höhe des Hasselbachplatzes in einer Straßenbahn zu einem Übergriff auf dunkelhäutige Menschen, bei dem diese zunächst beleidigt und später tätlich angegriffen wurden [Quelle]. Am 8. Mai, dem Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom nationalsozialistischen Regime, wurden im Magdeburger Nordpark 16 Holzkreuze und ein Papierstreifen mit der Aufschrift  „8. Mai – befreit?“ in der Nähe eines Denkmales für gefallene sowjetische Soldaten aufgestellt [Quelle].

Selbst die Unis sind nazifiziert

Auch die Otto-von-Guericke-Universität ist von Nazis durchsetzt. So traten in den vergangenen Jahren Personen um den Magdeburger NPD-Kader Matthias Gärtner zu den Gremienwahlen an. Deren Liste „Studentische Interessen“ hat unter anderem das Ziel, das Les-Bi-Schwule Referat abzuschaffen und die Medienaktivitäten der Student_innen (das Onlinemagazin uni.versum, das Uni-Filmteam und das Uniradio) in einem einzigen Referat „Medien“ zusammenzufassen. So soll „eine thematische Schwerpunktsetzung erfolgen, die durch das vorhandene vielschichtige Übertragungsspektrum zur allgemeinen und nachhaltigen Meinungsübermittlung effizient gestaltet werden kann“. Darüberhinaus wird die Integration ausländischer Studierender abgelehnt. „Vor allem asiatische Studenten ziehen massiv geistiges Potential aus der Forschung ab“, heißt es da, und es seien geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen [Quelle]. Die „Jungen Nationaldemokraten“ (JN; NPD-Jugendorganisation) Sachsen-Anhalts werten alle Stimmen für diese Liste als „Studenten-Stimmen für die JN“ [Quelle].

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (wie Magdeburg in Sachsen-Anhalt gelegen) wurden erst kürzlich Verbindungen des CDU-nahen RCDS (Ring Christlich Demokratischer Studenten) mit der Neonaziszene bekannt. Es gibt enge persönliche Kontakte als auch personelle Überschneidungen zwischen CDU bzw. RCDS und der Halle-Leobener „Germania“-Burschenschaft resp. der DVU-Jugendorganisation „Junge Rechte“.

Perspektive

Das Libertäre Zentrum ist Teil einer momentan noch stark unterrepräsentierten pluralistischen Gegenkultur. Wir werden emanzipatorische antifaschistische Strukturen im Süden Magdeburgs und darüber hinaus etablieren, bestehende Strukturen verstärken und neofaschistischen Ideen und Personen mit geeigneten Mitteln offensiv entgegentreten.

Plenum des Libertären Zentrums, Mai 2010

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