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Neue Morde an Oppositionellen in Honduras

15 tote Journalisten alleine in den vergangenen 18 Monaten. Demokratiebewegung spricht von gezielten Terror gegen Aktivisten

Von Johannes Schwäbl, Oaxaca

amerika21.de

Tegucigalpa. In Honduras nehmen die Drohungen und Morde an kritischen Journalisten sowie Aktivisten der Demokratiebewegung erheblich zu. So wurde am 8. September Medardo Flores, Mitarbeiter des Radiosenders UNO in San Pedro Sula und Aktivist der neu gegründeten Partei FARP, ermordet. Der 61-jährige wurde von Unbekannten erschossen als er sich mit dem Auto auf dem Heimweg befand.

Nur wenige Stunden zuvor hatten ebenfalls Unbekannte in der Hauptstadt Tegucigalpa den Aktivisten Mahadeo Roopchano Sadloo Sadloo, eine der Symbolfiguren der Demokratiebewegung und ebenfalls bekannter Unterstützer der FARP, ermordet. Sadloo war in Honduras unter dem Spitznamen Emo als einer der Köpfe der Demokratiebewegung bekannt.

In einem Fernsehinterview sprach Ex-Präsident Manuel Zelaya, dem beide Opfer nahestanden, von geplanten Morden an Oppositionellen. Ziel sei es, den Widerstand gegen das amtierende De-facto-Regime unter Führung des Unternehmers Porfirio Lobo zum Schweigen zu bringen.

Besonders der Mord an Sadloo, der bei den Anhängern der Demokratiebewegung sehr beliebt war, löste eine Welle der Entrüstung in Honduras aus und könnte nach Ansicht von Beobachtern zu einer neuen Radikalisierung der Proteste beitragen.

Aufgrund der hohen Straflosigkeit in Honduras bleibt die Mehrheit der bisherigen Morde weiterhin unaufgeklärt und die Täter unbekannt. Vor allem kritische Journalisten sind ständigen Drohungen ausgesetzt. So forderte die Organisation School of Americas Watch am 16. September in einem offenen Brief an den Vorsitzenden des obersten Gerichtshofes und an die Generalstaatsanwaltschaft Schutzmaßnahmen für den Journalisten Mario Castro, da dieser massive Todesdrohungen erhalten hat. Bereits vor drei Wochen wurde die Journalistin Vanesa Maradiaga überfallen und bedroht, als sie die Sendestation von Radio Globo verließ. Maradiaga arbeitet für das Programm der Demokratiebewegung, welches der Sender ausstrahlt und ist zugleich als Aktivistin der Organisation Los Necios bekannt. In den letzten zwei Monaten wurden vier Aktivisten der Organisation Opfer von Überfällen und Drohungen.

Bereits im Dezember 2010 zählte die Menschenrechtsorganisation COFADEH über 100 politische Morde seit dem zivil-militärischen Putsch im Juni 2009. Und auch unter der sogenannten Regierung der Versöhnung des De-facto-Präsidenten Porfirio Lobo steigt die Zahl der ermordeten Demokratieaktivisten stetig an. So forderte alleine der ungelöste Landkonflikt in der Region Bajo Aguán bereits über 50 Todesopfer. Mit dem Mord an Flores steigt die Zahl der ermordeten Journalisten seit dem Amtsantritt Lobos im Januar 2010 auf 15 an. Laut der Organisation Reporter ohne Grenzen ist Honduras damit zu einem der gefährlichsten Länder Lateinamerikas für Journalisten geworden.

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