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Mordwelle gegen Bauern in Honduras reißt nicht ab

46 Tote seit 2010: Lösung des Landkonfliktes im Norden nicht absehbar. OAS-Kommission besorgt über Menschenrechtslage

Bajo Aguán. In der Krisenregion Bajo Aguán im Norden von Honduras wurde erneut ein Kleinbauer ermordet. Doninely López Alvarado wurde vor wenigen Tagen durch sechs Kugeln aus großkalibrigen Waffen getötet, als er mit dem Motorrad in der nähe der Ansiedlung La Confianza unterwegs war. Der 46-jährige wurde von mindestens zwei unbekannten Angreifern beschossen, die sich in den Anpflanzungen der Kooperative La Salamá versteckt hielten. López Alvarado war Angehöriger der Bauernorganisation MUCA und ist der 46. Kleinbauer der seit Anfang 2010 in der Region ermordet wurde. Ein Minderjähriger der zusammen mit Aktivisten auf dem Motorrad unterwegs war blieb bis auf einige Verletzungen, die durch den Sturz vom Motorrad verursacht wurden, unversehrt. La Confianza ist einer der Großgrundbesitze, die MUCA besetzt hält. Derzeit ist er Gegenstand von Verhandlungen zwischen Großgrundbesitzern, Regierung und Bauernorganisationen.

Die ausufernde Gewalt im Landkonflikt von Bajo Aguán beschäftigte auch die interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH), die der US-dominierten Organisation Amerikanischer Staaten angehört. In ihrem vor wenigen Tagen in Washington vorgestellten Jahresbericht zeigt sich diese äußerst besorgt und bezieht sich dabei unter anderem auch auf die Situation in Bajo Aguán. So sei die Kommission im vergangenen Jahr mehrfach über Drohungen, Morde und Repression gegen Bauernaktivisten, die zunehmende Verschlechterung der Menschenrechtslage und über die vorherrschende Straflosigkeit in der Region informiert worden.

Nach der erneuten Entsendung von Militär- und Polizeieinheiten im Zuge der Operation Xatruch II im August stiegen die Drohungen und Morde gegen Bauernaktivisten stark an. Entgegen der Meinung nationaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen beteuerten honduranische Regierungsvertreter im Oktober in einer Sondersitzung der CIDH zu Bajo Aguán die Bereitschaft der Regierung zur Lösung des Konfliktes. So habe die Regierung unter anderem mehrere Verträge mit einzelnen Bauernorganisationen abgeschlossen.

Diese Verträge wurden jedoch von Regierungsseite nur teilweise eingehalten, glaubt man der Gegenseite. Zuletzt wurde Ende Februar ein Abkommen zwischen MUCA-Vertretern und der Regierung unterzeichnet. Wie der erneute Mord zeigt ist eine Lösung des Konfliktes jedoch weiterhin nicht absehbar. Menschenrechts- und Bauernorganisationen kritisieren weiterhin die anhaltende starke Militarisierung der Region und den mangelnden Willen der Regierung zu einer wirklichen Lösung des Konfliktes.

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