Mordrohung gegen Carlos Lozano in Kolumbien

Paramilitärs setzen Kopfgeld aus. Journalist und Aktivist macht „ultrarechte Gegner des Friedens“ verantwortlich

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amerika21.de

Bogotá. Der Herausgeber der kolumbianischen Wochenzeitung „Voz“ und Mitglied der Organisation Kolumbianerinnen und Kolumbianer für den Frieden, Carlos Lozano, wird mit dem Tod bedroht. In einer am Dienstag in Bogotá veröffentlichten Erklärung Lozanos heißt es, er habe glaubwürdige Hinweise bekommen, dass ihn die kriminelle Bande „Los Urabenos“ ermorden will.

Die „Urabenos“ kontrollieren nach Angaben kolumbianischer Behörden einen großen Teil des Drogenhandels im Norden des Landes. Sie sind eine der paramilitärischen Gruppen, die nach der offiziellen Auflösung der Autodefensas Unidas de Colombia (Vereinigte Bürgerwehren Kolumbiens, AUC) zwischen 2003 und 2006 entstanden.

Lozano ist Mitglied der Kommunistischen Partei Kolumbiens und Mitbegründer der Bewegung Marcha Patriótica. Er sagte, die Bande habe für den Mord 200.000 US-Dollar Belohnung ausgesetzt und die Auftragsmörder seien bereits in Bogotá. Die Bedrohung seines Lebens gehe von „ultrarechten Gegnern des Friedens“ aus und stünde in Verbindung mit Äußerungen von Regierungsfunktionären und Militärs, die dem Marcha Patriótica unterstellten, „Agent der Subversion und Verbündeter der FARC“ zu sein.

Lozano sagte: „Ich beschuldige nicht die Sprecher der Regierung oder der Streitkräfte, aber ich verweise auf das Klima, das durch bestimmte Äusserungen von ihnen gegen den Marcha Patriótica geschaffen wurde und solche Taten befördert.“ Er lasse sich weder zum Schweigen bringen noch einschüchtern und werde Anzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft wegen der Morddrohungen erstatten.

Lozano forderte die Regierung von Präsident Juan Manuel Santos auf, die Demokratie zu stärken und die Sicherheit der Oppositionellen zu garantieren, die jedes Recht hätten, sich für fortschrittliche Veränderungen im Land einzusetzen.

Der Marcha Patriotica ist ein Bündnis von etwa 1.800 sozialen und politischen Organisationen in Kolumbien, die eine neue soziale Bewegung bilden. Vom 21. bis 23. April 2012  fand in der Hauptstadt Bogotá sein erster Kongress und eine Demonstration unter dem Motto „Für Frieden mit sozialer Gerechtigkeit“ statt, an der sich bis zu 100.000 Menschen beteiligten. Seitdem erhielten Gruppen, die sich dem Marcha Patriotica angeschlossen haben, wiederholt Drohbriefe von paramilitärischen Organisationen wie den „Águilas Negras“. Zwei Aktivisten wurden bereits ermordet, ein dritter ist seit Ende April verschwunden.

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