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Demobericht von der Ersten Mai Demonstration 2009

graffitiAn einem sonnigen 1. Mai versammelten sich circa 100 gutgelaunte Menschen auf dem Alten Markt in Magdeburg, um an der revolutionären 1.Mai Demo teilzunehmen.
Ein geringes Polizeiaufgebot machte den Tag noch angenehmer, jedenfalls anfänglich.
Ebenfalls anwesend ca. 6 angetrunkene Nazischläger, die wie letztes Jahr versuchten TeilnehmerInnen der Demo zu provozieren. Ein Demonstrationsschutz hielt die Nazis auf Distanz und beobachtete ihr Handeln permanent.
Um 12 Uhr setzte sich die Demo relativ pünktlich und lautstark in Bewegung, Richtung Stadtfeld. Viele rote und schwarze Fahnen, sowie Baskische- und Palästinafahnen wehten im Wind und gaben der Demo ein internationales Gesicht. Über den Breiten Weg hinweg zum Damaschkeplatz begannen die Demonstrationsteilnehmer antikapitalistische und klassenkämpferische Parolen zu skandieren.

Da es die einzige Maidemonstration, die an diesem Tag in der Magdeburger Innenstadt stattfand, waren das Interesse und die Aufmerksamkeit für deren Inhalte sehr groß. Es schlossen sich vereinzelt Mitbürger an, was sicherlich auch dem sehr zurückhaltenden Polizeiaufgebot zuzurechnen ist. Die Anzahl der Demonstrationsteilnehmer stieg auf 120 TeilnehmerInnen an. Durchgängig lautstark bewegte sich der Zug über die Ebendorfer Straße durch die Goetheanlagen zur Diesdorferstrasse. Am ehemals besetzten Haus „Ulrike“ angekommen, begrüßte eine bunte Außenfassade die ankommenden DemoteilnehmerInnen. Der Spruch „Ulrike Bleibt“ und ein großes Baugerüst vor dem Haus ließ die TeilnehmerInnen nicht nur innerlich grinsen. Ein Teilnehmer der Montagsdemonstrationen in Magdeburg übte über das Mikrophon lautstark Kritik über die politische Verdrossenheit der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen in Magdeburg. „Wie kann es sein das sich hier die Gewerkschaften nicht an einer 1.Mai Demo beteiligen, wenn sie schon selber nichts zum Arbeiterkampftag vermitteln können?“ Eine Frage ohne Antwort. „Kampf auf der Strasse -Kampf in der Fabrik als einzige Antwort auf ihre Politik“, rief hingegen die Demo als sie zum Schellheimer Platz lief. Interessiert wurde die Demo von den Stadtfelder AnwohnerInnen verfolgt. Als die Annastrasse erreicht war rief der einzige Polizist, der vor der Demo lief: „hier ist die Abschlusskundgebung“. Da Mensch aber sein Ziel, nämlich den Infoladen noch nicht erreicht hatte, wurde die Aufforderung ignoriert.
Sportlich setzte sich der erste Teil der Demo ab und änderte die Route im Laufschritt.
So lief ein Teil der Demonstranten samt Fronttranspi noch ein paar hundert Meter durch die
Goetheanlage. Mit lautem Klatschen wurden die Ausbrecher vor dem Infoladen kurze Zeit später begrüßt. Sofort wurde die Anlage aufgebaut und DJ Taip eröffnete die 1.Mai Party in
Stadtfeld mit einem fetten Beat … Sofas und Tische wurden auf der Strasse vor dem Laden aufgebaut. Auch ein Infotisch, welcher gut geplündert wurde, hatte seinen Platz vor dem Laden gefunden. Anfänglich hielt sich die Polizei noch zurück. Es wurde gegrillt, diskutiert und das schöne Wetter genossen. Viele nutzten die Möglichkeit sich zu stärken, um dann noch nach Berlin weiter zu fahren Denn der 1. Mai ist immer noch auch unser Kampftag gegen die herrschenden Zustände.
Die Zustände, die vor dem Laden herrschten, waren scheinbar schon zuviel für die offenbar gelangweilten Einsatzkräften der Magdeburger Bereitschaftspolizei. Ohne Angaben von Gründen wurden den Gästen untersagt mit Stühlen vor dem Laden zu sitzen. Noch war die Lautstärke kein Problem, obwohl seit dem Eintreffen der Pigs „Sound of da Police“ in extremer Lautstärke die Situation untermalte. Nach kurzer Rumnerverei verzogen sich die Einsatzkräfte wieder. Gegen 16Uhr gab es dann den 1. Liveauftritt eines jungen Stadfelder Rapper. Etwas schüchtern begann er seinen Auftritt, doch mit der Begeisterung der Zuhörer wuchs auch sein Vertrauen. Mit seiner erfrischenden Art und seinen durchdachten Texten unterhielt er professionell die Gäste. Respekt an den jungen Rapper ausm Kiez. Überraschungsgast Vitarmin B und Dr. Alibi liessen die Party nicht abbrechen und brachten zusammen mit DJ Taip scheinbar nicht nur die Party zum Überkochen. Die AnwohnerInnen reagierten begeistert auf die Feier im Laden und Einzelne ließen es sich nicht nehmen die Kiezparty zu besuchen. Das erneute Erscheinen der Polizei wurde als reine Provokation begriffen. Eventuell hatte einer der Beamten die inhaltliche Aussage von „Sound of da Police“ begriffen. Mensch wird es nie erfahren.
Jedenfalls verzogen sich die Beamten erneut nachdem um 19 Uhr mitgeteilt wurde, dass es zu laut wäre. Als dann eine Hundertschaft dann Punkt 20 Uhr vor dem Haus Stellung bezog, war klar, dass es nun ernst wurde. Zügig hatten sich ca. 20 behelmte beamte durch den verbarrikadierten Hintereingang auf den Hof vor „gearbeitet“. Jedoch hatte mensch vorher genug Zeit die Anlage und Gäste in Sicherheit zu bringen. Martialisch stürmten die Bullen auf den nun leeren Hof. So mussten sie vor einem leeren Grill sich die Beleidigungen der AnwohnerInnen aus den umliegenden Häusern gefallen lassen. Außer einem geklauten Boxenkabel konnten sie keine nennenswerte Erfolge vermelden. Sehr gereizt über den Abbruch der Party brüllten einige BesucherInnen die Bullen vom Dach aus an.
Da es keinen wirklichen Grund für den Einsatz gab, begründete der Einsatzleiter die fortdauernde Anwesenheit der Bullen mit angeblichen Flaschenwürfen bzw. dem Wurf eines Schrankes auf die Einsatzkräfte. Unverständlich, da dies – wenn überhaupt – nur als Reaktion auf das Vorgehen der Bullen gegenüber einer bis dahin friedlichen Party bewertet werden kann. Keine Party ohne Bullen in Stadtfeld.
Alles in allem trotzdem ein schöner Tag mit vielen neuen Bekanntschaften, guter Musik und größtenteils netten Gästen (ACAB).

Grußbotschaft aus Duisburg:

Grußwort an die revolutionäre 1. Mai Demonstration in Magdeburg

Liebe Genossinnen und Genossen,
wir Grüßen hiermit alle TeilnehmerInnen der revolutionären 1. Mai Demonstration in Magdeburg und die Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter, die heute am Kampftag der Arbeiterklasse für eine freie, solidarische und klassenlose Gesellschaft auf die Straße gehen.
Der 1. Mai ist der Tag der Arbeiterklasse, er ist seit 120 Jahren, seit dem Haymarket Massaker von Chicago, unser Tag. Ihn gilt es mit allen Mitteln gegen die Angriffe der imperialistischen Kräfte und der Bourgeoisie zu verteidigen. Gemeinsam wollen wir am heutigen Tag überall auf der Welt Zeichen gegen Ausbeutung, imperialistische Kriege und die Krise des kapitalistischen Systems setzen. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass sich die internationalen antikapitalistischen und revolutionären Bewegungen miteinander verknüpfen, solidarisieren und die Arbeiterklasse ihrer Macht wieder bewusst wird.

Lange lebe der 1. Mai!
Proletarier und unterdrückte aller Länder vereinigt euch!
Hoch die Internationale Solidarität!

Rote Antifa [Duisburg]

Grußbotschaft aus Stuttgart:

Hallo liebe Genossinnen und Genossen,
wir schicken Euch hiermit unsere solidarischen Grüße zum 1. Mai

Wir wünschen Euch eine kämpferische und erfolgreiche 1. Mai Mobilisierung. Wir sind heute in Ulm auf der Straße um zu verhindern, dass die Faschisten dort ungestört ihre Hetze propagieren. Wir beschränken uns dort aber nicht auf den Kampf gegen die Nazis, sondern werden auch als revolutionäre Kommunistinnen und Kommunisten präsent sein.
Am morgigen Samstag werden wir dann in Stuttgart auf die Straße gehen und dort eine eigenständige revolutionäre Demonstration durchführen.

Heute in Zeiten der Krise des Kapitalismus ist es um so wichtiger eine revolutionäre Perspektive zu vertreten. Es geht uns nicht um eine Reform dieses Systems oder um die Abmilderung seiner Symptome. Wir wollen nicht weniger als eine Welt in der die grenzenlose Solidarität an die Stelle imperialistischer Kriege tritt, in der nicht Profit- und Verwertungslogik über Arbeits- und Lebensbedingungen bestimmen, sondern sie nach den Interessen und Bedürfnissen aller ausgerichtet werden.

Wir haben dafür heute viele Ansatzpunkte: Die in einigen Ländern bereits gemachten Schritte hin zu einer sozialistischen Gesellschaftsordnung, die Erfahrungen unserer politischen Praxis, sowie die der Versuche vor uns, unsere vorhandenen Organisierungen und natürlich die aktuellen Widerstandskämpfe, Sozialproteste und Streikaktionen.
Letztlich zeigen uns die staatliche Repression und die Mängel unserer Aktivitäten aber eines: Die Frage der Organisierung ist von zentraler Bedeutung. Wir müssen uns Strukturen schaffen die eine Gegenmacht gegen die Institutionen der herrschenden Klasse darstellen und erste Ansätze einer neuen Gesellschaftsordnung bilden. Zusammenschlüsse, gemeinsames planvolles Handeln und solidarisch agierende Strukturen sind nicht nur Mittel zum Zweck, sondern generelle Grundlagen für die Überwindung des Kapitalismus und den Aufbau einer befreiten Gesellschaft.

Heraus zum revolutionären 1. Mai! Faschisten bekämpfen – Kapitalismus abschaffen!
Linke Strukturen aufbauen und unterstützen!
Für Solidarität und Klassenkampf!
Für den Kommunismus!

Revolutionäre Aktion Stuttgart

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