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Nordkurdistan – Bilanz der Proteste und Kämpfe

AMED 07.12.2009 @indymedia
Bilanz der Proteste und Kämpfe vom Sonntag: 1 Toter, 260 Festnahmen
Die Proteste gegen die Verschlechterung der Haftbedingungen von Abdullah Öcalan haben sich am Sonntag noch weiter ausgeweitet. Während in Diyarbakır bei den Protesten eine Person erschossen wurde, wurden ebenfalls in Mardin, Batman, Hakkari, Istanbul mehr als 260 Menschen festgenommen und Hunderte verletzt. Viele Läden blieben aus Protest geschlossen. Die Angriffe auf die Demonstrationen waren heftig.

BATMAN
In Batman waren heute aus Protest 80% der Läden geschlossen. Vor dem DTP-Büro versammelten sich mehr als 10.000 Menschen. Die Polizei verbot jede Demonstration. Aus Protest dagegen wurde ein Sitzstreik durchgeführt. Nachdem die Behörden auch nach einer Stunde nicht bereit waren die Demonstration zu genehmigen, formierten sich die TeilnehmerInnen zu einer Spontandemonstration. Noch bevor die Demonstration anfing, griff die Polizei mit Panzern, Wasserwerfern, Pfefferspray, Tränengas und Knüppeln die Menschenmenge an. Aufgrund des Angriffs wurden viele Menschen verletzt und viele Menschen wurden festgenommen.

DİYARBAKIR
In Diyarbakır versammelten sich mehrere 10.000 Menschen auf einer Kundgebung vor dem DTP-Kreisbüro. An der Kundgebung nahmen auch mehrere DTP-Abgeordnete und BürgermeisterInnen teil. Auf der Kundgebung wurden Fahnen der PKK und Bilder von Abdullah Öcalan gezeigt. Sie formierten einen Demonstrationszug, der nach kurzer Strecke gestoppt wurde. Die Polizei schoss Gasgranaten in die Menschenmenge. Auf den Angriff hin entstanden heftige Auseinandersetzungen bei denen der Student Aydın Erdem von der Polizei mit drei Schüssen in den Rücken getötet worden ist. Ein 17-Jähriger wurde ebenfalls von einem mutmaßlichen Zivilpolizisten angeschossen. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen die Menschen ein. Die Menge antwortete mit Molotowcocktails und Feuerwerkskörpern. Das AKP-Hauptbüro wurde mit Molotowcocktails und Steinen angegriffen. Auch hier eröffnete die Polizei das Feuer und schoss in die Luft. Die DTP-Abgeordnete Aysel Tuğluk sagte zu dem Angriff: „Obwohl wir uns dreimal mit den Verantwortlichen getroffen haben, nahmen sie bei ihrem Angriff Tote in kauf. Sie griffen auch unsere Bürgermeister an. Die Forderungen der Bevölkerung sind klar, der Staat sollte dies beachten.“
Es wurden Ermittlungen gegen 98 DTP-Bürgermeisterinnen und 10 Kreisvorstände von der Generalstaatsanwaltschaft in Diyarbakır eingeleitet, weil sie die Erschwerung der Haftbedingungen in Imralı und die Rückkehr zur Folter kritisierten.

ERGANI
In Ergani im Kreis Diyarbakır kam es am Sonntag ebenfalls zu Protestaktionen. Jugendliche zerstörten ein angreifendes gepanzertes Polizeifahrzeug mit Steinen und Molotowcocktails.

ADANA
Auch in Adana öffneten in einigen Stadtvierteln die Läden aus Protest nicht. Eine Gruppe Jugendliche errichtete Barrikaden und lieferte sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Auseinandersetzungen eskalierten als die Polizei Panzer und Tränengas gegen die Jugendlichen einsetzte. Die Jugendlichen warfen Feuerwerkskörper und Molotowcocktails auf die Polizei. Die Auseinandersetzungen dauern in mehreren Stadtvierteln an.

İSTANBUL
Eine bewaffnete Gruppe türkischer Nationalisten griff das DTP-Kreisbüro in Istanbul an und zerstörten die Scheiben. Sie riefen rassistische antikurdische Parolen. Die Polizei wurde eine halbe Stunde lang von den Personen, die sich im Büro befanden, angerufen. Aber sie weigerte sich zu kommen. Die Angreifer, die das Büro beschossen, riefen: „Holt diese Mörder hier raus. Lasst keinen von den Kurden am Leben“. Nachdem sich der Mob entfernt hatte, fanden die DTPler eine große Zahl an Patronenhülsen. Die Polizei ist bis jetzt nicht am Tatort erschienen.
Andererseits wurden bei Protesten 59 Personen festgenommen unter anderem wurde ein Jugendlicher bei seiner Festnahme zusammengeschlagen.

ŞIRNAK
In Silopi wurde ein 5-jähriges Mädchen nach einem Polizeiangriff auf eine Demonstration von einem Panzerwagen vom Typ Skorpion angefahren. Das verletzte Kind wurde ins Krankenhaus gebracht.

AĞRI
Nachdem am Samstag in Doğubeyazıt bei einer Protestaktion 28 Personen festgenommen worden sind, wurden am Sonntag aus Protest die Läden geschlossen. In der letzten Woche waren 74 Personen, 42 davon Kinder und Jugendliche, festgenommen.

IĞDIR
Die Polizei von Iğdır führte eine große Zahl von Hausdurchsuchungen durch. Dabei nahm sie 5 Jugendliche im Alter von 15–16, die am Tag zuvor an Demonstrationen gegen die Verschlechterung der Haftbedingungen von Abdullah Öcalan teilgenommen hatten, fest.

MARDİN
Auch in Nusaybın im Kreis Mardin öffneten am Sonntag die Läden aus Protest nicht. Am Abend und in der Nacht wurde eine Protestdemonstration mit Parolen für die PKK und Abdullah Öcalan durchgeführt. Die Polizei griff die Demonstration mit Tränengas an. Die DemonstrantInnen reagierten mit Steinwürfen.

WAN
In Wan wurden von 7 Personen, die bei Protesten festgenommen worden waren, 4 mit der Begründung „Propaganda für eine verbotene Organisation“ in Untersuchungshaft genommen.

HAKKARİ
In Hakkari gab es heute ebenfalls eine Demonstration, die von der Polizei mit Gasgranaten angegriffen wurde. Die Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer in die Luft. Die DemonstrantInnen erwiderten den Angriff mit Steinen.

ŞEMDINLI
Nachdem heutigen Besuch der Friedensgruppen aus der Guerilla und Maxmur wurde eine Spontandemonstraton in Şemdinlin im Kreis Hakkari von der Polizei angegriffen. Zivilpolizisten, die in Lastwagen an den Ort des Geschehens gebracht wurden, schlugen mit Knüppeln und Stangen auf die DemonstrantInnen ein. Bis jetzt wurden 12 Personen festgenommen.

MERSİN
Auch in Mersin wurde ein von der DTP organisierte Demonstration mit mehreren hundert TeilnehmerInnen von der Polizei angegriffen. Die Jugendlichen warfen in Folge des Angriffs Molotowcocktails und Steine auf die Polizei.

İZMİR
Im Stadtviertel Karabağlar in Izmir wurde eine Protestdemonstration durchgeführt. Auf der Demonstration wurden PKK-Parolen und Parolen für Abdullah Öcalan gerufen. Die Polizei sperrte das Viertel ab und griff die DemonstrantInnen mit Tränengas und Wasserwerfern an. Diese erwiderten mit Steinwürfen und Feuerwerkskörpern. An einer Demonstration im Asarlık Viertel nahmen 2000 Menschen teil. Sie trugen PKK Fahnen. Auch hier kam es nach einem Polizeiangriff zu Auseinandersetzungen.
Im Kadifekale Viertel gab es ebenfalls den Versuche einer Demonstration, der jedoch von Anfang an von der Polizei blockiert wurde. Die Polizei löste die Versammlung gewaltsam auf. Von 14 vorgestern von der Antiterrorpolizei bei Hausdurchsuchungen Festgenommenen, wurden 11 Personen wegen „Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation“, „Durchführung einer illegalen Demonstration“ und „Beschädigung öffentlichen Eigentums“ in Untersuchungshaft genommen.

SİİRT
In Siirt nahmen mehrere tausend Menschen an einer Protestdemonstration teil. Die Polizei griff die Demonstration mit Knüppeln und Gasgranaten an. Es wurden mindestens 20 Personen verletzt und eine große Zahl festgenommen.

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